Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.05.2019


Innsbruck

Zähes Ringen um eine ganzjährige Notschlafstelle in Innsbruck

Plätze für Sozialeinrichtungen in der Stadt zu finden, bleibt weiter eine Herkulesaufgabe. Die Finanzierung ist teilweise nicht die einzige Hürde.

In Ermangelung ganzjähriger Notschlafstellen mussten viele obdachlose Menschen die vergangenen Tage wieder notdürftig einen Schlafplatz suchen. (Symbolfoto/Archiv)

© Jan HetfleischIn Ermangelung ganzjähriger Notschlafstellen mussten viele obdachlose Menschen die vergangenen Tage wieder notdürftig einen Schlafplatz suchen. (Symbolfoto/Archiv)



Von Marco Witting

Innsbruck – Für SP-Stadträti­n Elisabeth Mayr reicht ein Blick aus dem Fenster. „Die derzeitigen Wetterkapriolen verdeutlichen den dringenden Bedarf an niederschwelligen Schlafangeboten für Obdachlose.“ Es sei eine bittere Realität, zumal die beiden Winternotschlafstellen seit Mitte April geschlossen seien. Seit Wochen, Monaten, ja eigentlich Jahren wird über ein ganzjähriges Quartier in Innsbruck debattiert und verhandelt. So richtig vorangekommen ist man damit aber noch nicht.

Zudem kommt wohl das nächste Notschlafstellen-Problem auf die Stadt zu. Die Einrichtung des Roten Kreuzes in der Hunoldstraße wackelte schon im Vorjahr, weil das Gelände anderweitig verbaut werden soll. Jetzt droht für heuer tatsächlich das Aus. „Wenn es noch ein zusätzliches Jahr gehen sollte, dann nehmen wir das natürlich gerne mit. Aber es ist klar, dass wir hier einen Standort brauchen“, sagt Sozialreferent Vize-BM Franz Gruber (VP). In den kommenden Tagen stehe eine Besichtigung von mehreren Standorten gemeinsam mit dem Land an. Denn finanziell wolle man derartige Einrichtungen nicht alleine stemmen. 303.000 Euro für die beiden Unterkünfte war der städtische Anteil, der insgesamt 35 Prozent ausmacht. 65 Prozent zahlt das Land. „Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Stadt und Land“, deshalb müsste auch eine ganzjährige Notschlafstelle von beiden getragen werden, wie Gruber sagt. „Es gibt auch das Verständnis dafür im Land und derzeit wird der Bedarf evaluiert.“ Intern schätzt man in der Stadt jedenfalls, dass ein Betrieb im Sommer nicht gleichzeitig auch das Doppelte an Kosten verursachen würde.

Die Stadt tut sich aber insgesamt schwer, Sozialeinrichtungen unterzubringen. Und nicht überall ist bei den Anrainern Ruhe eingekehrt. Sowohl um das Z6, wo Vize-BM Christine Oppitz-Plörer ebenfalls „Gespräche mit den Betroffenen“ ankündigte, als auch rund um die Mentlvilla gab es in den vergangenen Tagen wieder Beschwerdemails von genervten Anrainern. Gruber sagt etwa in Hinblick auf das Kontaktzentrum für Alkoholkranke in der Matthias-Schmid-Straße: „Auch mir geht das insgesamt zu langsam.“

Es seien oft rechtliche Vorschriften, die eine rasche Lösung verhindern. So etwa rund um Räumlichkeiten in der Richard-Berger-Straße, wo es seit längerer Zeit „Probleme“ mit einer Widmung gibt. Hier könnten allerdings 35 bis 40 Plätze geschaffen werden. BM Georg Willi kündigte gestern hier an, dass man sich um eine Lösung bemühen werde.

Auch die FPÖ hatte zuletzt mehrfach kritisiert, dass eine ganzjährige Notschlafstelle fehle. Stadträtin Andrea Dengg (FP): „Ich sehe laufend, dass die Obdachlosigkeit von Frauen ansteigt. Es braucht hier Einrichtungen, wo Frauen getrennt untergebracht werden können. Außerdem drängen wir schon lange auf ‚Housing First‘-Angebote. So eine Notschlafstelle ist nicht die Umgebung, wo Kinder sein sollten.“ Ähnlich sehen das auch andere Fraktionen, wie die SPÖ.