Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.05.2019


Tirol

Caritas fordert Frühwarnsystem gegen Armut in Tirol

Würden die Wohnkosten eingepreist, wäre die Armutsgefährdungsquote in Tirol noch höher, warnt das Bündnis gegen Armut. Schärmer will von Landesregierung Taten.

An die 124.800 Personen in Tirol haben damit zu kämpfen, finanziell auch nur ansatzweise über die Runden zu kommen.

© iStockAn die 124.800 Personen in Tirol haben damit zu kämpfen, finanziell auch nur ansatzweise über die Runden zu kommen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Jede sechste in Tirol wohnhafte Person ist im Schnitt von Armut bedroht. Umgerechnet sind dies rund 124.800 Menschen. Das belegt der aktuelle Armutsbericht des Landes (2015–2017), die TT berichtete.

Für das Bündnis gegen Armut und Wohnungsnot Tirol – ein Zusammenschluss von Einrichtungen, Institutionen und Dachverbänden aus unterschiedlichsten Bereichen – sind diese Zahlen erneut ein Beweis dafür, dass Armut und Existenzunsicherheit auch in Tirol kein Randgruppenproblem sind. Die Armutsgefährdungsquote wäre sogar noch höher, würden in der Armutsstudie des Landes auch die gestiegenen Ausgaben fürs Wohnen berücksichtigt, sagt Bündnis-Sprecherin Mari­a Petersen auf TT-Anfrage: „Die Berechnung hat einen gravierenden blinden Fleck.“ Gerade Wohnraumkosten seien in den vergangenen Jahren deutlich über dem Tariflohnindex gestiegen. Umso mehr kritisiert das Bündnis die neue Sozialhilfe des Bundes, die „Armut weiter produziert, anstatt sie zu mildern“. Von der schwarz-grünen Landesregierung fordert man deshalb eine klare Haltung ein: „Es geht um das Recht auf materielle Absicherung.“

Caritas-Direktor Georg Schärmer hofft angesichts der Armutsstudie, dass Tirol auch unter der Prämisse des neuen Sozialhilfegesetzes seinen eigenen Weg weitergehen werde. Kompensationsmaßnahmen (Bsp. Wohnen) seien gefragt – ansonsten würde die Armutsgefährdung sprunghaft ansteigen. Darüber hinaus fehlen Schärmer auch in Tirol noch Begleitmaßnahmen wie etwa ein flächendeckendes Netz an Sozialberatungsstellen, die Verzahnung vorhandener Online-Beratungsstellen, aber auch die Etablierung eines „Frühwarnsystems“ gegen Armut. Schär­mer fordert die Schaffung einer Art Meldestelle, welche zentrale Schlüsselindizes im Auge behalten soll, um gegebenenfalls rechtzeitig – bei der Politik – Alarm zu schlagen.

Es brauche aber auch Alternativen zur Mindestsicherung bzw. nun eben Sozialhilfe, sagt Schärmer. Das Ziel müsse weiter ein rascher Wiedereinstieg in ein Beschäftigungsverhältnis sein.