Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.05.2019


Bezirk Kitzbühel

Laufend neue Unterschriften gegen Stationsschließung in St. Johann

Politiker glauben noch nicht ganz an den Erhalt der Kinderabteilung im KH St. Johann. Zwei andere Abteilungen werden 2020 zusammengelegt.

Am Krankenhaus St. Johann herrscht noch immer Unsicherheit über die Zukunft des Spitals.

© Michael MaderAm Krankenhaus St. Johann herrscht noch immer Unsicherheit über die Zukunft des Spitals.



Von Michael Mader

St. Johann i. T.– Die Ankündigung von Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP) hat nicht alle überzeugt. „Nach reiflicher Diskussion mit den Experten kann ich festhalten, dass die Möglichkeit geschaffen werden soll, die stationäre bettenführende Versorgungseinheit für Kinder- und Jugendheilkunde in St. Johann weiterzuführen, bei gleichzeitiger Fortführung der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Bezirkskrankenhaus Kufstein. Das ist der derzeitige Diskussionsstand auf Expertenebene“, hatte Tilg mitgeteilt.

Für die beiden Betriebsräte des Spitals, Christian Rass und Christoph Schellhorn, sowie für FPÖ-Bezirks­parteiobmann Robert Wurzenrainer, den Obmann der Jungen ÖVP im Bezirk Christoph Pichler und die SPÖ-Landtagsabgeordnete Claudia Hagsteiner als Initiatoren von Unterschriftenlisten und Petitionen ist das zu ungenau definiert. „Wir wollen, dass die Fächerstruktur erhalten bleibt, damit das Krankenhaus weiterhin wirtschaftlich geführt werden kann“, hatte Rass erst unlängst betont. Die Liste Fritz will einen Dringlichkeitsantrag im Landtag einbringen und hofft auf die Zustimmung aller Parteien.

Aber auch der Obmann des Krankenhausverbandes, der Hopfgartner Bürgermeister Paul Sieberer (ÖVP), möchte Aufklärung. In der kommenden Woche gibt es eine nächste so genannte Häuserrunde in Innsbruck mit der Beraterfirma aus der Steiermark. Ob auch Landesrat Tilg daran teilnehmen wird, weiß Sieberer noch nicht. „Unserer Vorstellung nach muss die Abteilung so erhalten bleiben, wie sie derzeit ist. Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern“, erklärt Sieberer.

Man lasse sich weder aus Innsbruck noch von Spezia­listen aus der Steiermark sagen, dass die Station aufzulassen sei. Sie würden die Situation vor Ort mit ihren spezifischen Eigenschaften nicht kennen, tanzt auch Pichler aus der ÖVP-Reihe.

„Es gibt im Bezirk nur einen Kinder-Kassenarzt. Das wäre eine massive Schlechterstellung des Bezirks“, weiß Hagsteiner noch nicht genau, was sie mit der Stellungnahme von Tilg anfangen soll: „Er hat ja nicht gesagt, dass die Kinderstation in dieser Form erhalten bleibt.“

Dass Jubelschreie verfrüht seien, glaubt auch Wurzenrainer: „Es ist ein kleiner Etappensieg, aber noch lange nicht ausgestanden“, mutmaßt er. Die Unterschriften seien aber ein gutes Druckmittel für die Verhandler.

Definitiv mit 1. Dezember 2020 wird die Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie mit der Abteilung Unfallchirurgie zusammengelegt. Für Erstere hat der Gemeindeverband die Stelle eines Primars ausgeschrieben. Die Einreichfrist endete am 3. Mai.

Nach der Pensionierung beider Abteilungsleiter wird der „Neue“ dann die neugegründete Abteilung für Orthopädie und Traumatologie leiten. Entgegen externer Kritik bezüglich einer „Posteneinsparung“ sieht Sieberer hier keinen Anlass für Beanstandungen.