Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Bezirk Kitzbühel

Begegnung statt Umfahrung: Neues Verkehrskonzept für Westendorf

Die Gemeinde Westendorf präsentierte den ersten Entwurf des neuen Mobilitätskonzepts. Kern ist eine Begegnungszone im Ortszentrum. Ein Bürgerrat war bei der Ausarbeitung mit eingebunden.

Der Ortskern in Westendorf soll in Zukunft zur Begegnungszone werden, zumindest wird es so im Mobilitätskonzept vorgeschlagen.

© AngererDer Ortskern in Westendorf soll in Zukunft zur Begegnungszone werden, zumindest wird es so im Mobilitätskonzept vorgeschlagen.



Von Harald Angerer

Westendorf – Neue Wege schlägt die Gemeinde Wes­tendorf in Sachen Verkehr ein. Ein Mobilitätskonzept soll den Verkehr im Ort in geregelte Bahnen lenken. Dazu hat sich die Gemeinde aber nicht nur einen Verkehrsplaner mit ins Boot geholt, sondern auch um die Mithilfe der Bevölkerung gebeten. Es wurde ein Bürgerrat einberufen, der sich an dem neuen Konzept beteiligt hat.

Gestartet ist das Ganze vor gut einem Jahr mit knapp 20 Westendorfern, die ausgelost wurden. In mehreren Sitzungen, bei einem Dorfrundgang und unter Führung von Experten haben sie sich Gedanken über die Mobilität im Ort gemacht. Am Dienstagabend wurde nun das erste Konzept der Bevölkerung vorgestellt. „Es handelt sich um einen Entwurf und jeder kann sich noch einbringen. Wir wollen nach der Präsentation noch Ideen mit aufnehmen“, sagte Chris tine Schermer, Obfrau des Umwelt- und Verkehrsausschusses, bei der Präsentation.

Es wurden vom Planungsbüro Planalp auch mehrere Verkehrserhebungen durchgeführt. Eine Zählung erfolgte in der Hauptsaison im Winter, da wurden am Dorfplatz in zwölf Stunden 5850 Fahrzeuge und knapp 3900 Fußgänger gezählt. Der Durchgangsverkehr durch den Ort wurde nur im Sommer erhoben, dieser liegt bei 22 Prozent. Damit sei auch eine oft geforderte Umfahrung des Ortskerns nur wenig wirksam, wie Friedrich Rauch von der Firma Planalp betont, aber hinzufügt: „Zumindest galt das kurz- und mittelfristig, man sollte sich aber die Möglichkeit für die Zukunft offen­lassen.“ Dennoch spricht er sich eher gegen eine Umfahrung des Ortskerns aus, dies würde zu wenig Nutzen bringen und zudem einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten.

Vielmehr sieht das Mobilitätskonzept eine so genannte Begegnungszone vor. In einer solchen ist es allen Verkehrsteilnehmenden erlaubt, die gesamte Verkehrsfläche zu benützen. Kein Verkehrsteilnehmer ist in der Nutzung gegenüber einem anderen Verkehrsteilnehmer bevorrangt. Eine Minderung sei durch eine solche Zone nicht zu erwarten, so Rauch, aber eine deutliche Verkehrsberuhigung. „Ohne Kosten ist eine solche Begegnungszone nicht umzusetzen, es sind bauliche Maßnahmen möglich“, sagt der Raumplaner. Wichtig sei dabei, die klassischen Verkehrsflächen wie Straße und Gehsteig aufzulösen und in eine Fläche umzuwandeln.

Angedacht wäre eine solche Zone für den gesamten Ortskern zwischen Vereinshaus, Hotel Schermer und der ehemaligen Tankstelle. „Hier ist sicher eine schrittweise Umsetzung notwendig“, erklärt Bürgermeisterin Annemarie Plieseis.

Ein weiterer Punkt war auch die Hofer-Kreuzung an der B170. Es gibt schon seit Längerem Gespräche, diese Gefahrenstelle zu entschärfen. Ein Kreisverkehr ist aus Platzgründen nicht möglich. Nun sollen eine 50-km/h-Beschränkung und ein Straßenteiler für Sicherheit sorgen. Mit dem Straßenteiler ist das Baubezirksamt dem Konzept schon zuvorgekommen, mit dem Bau wurde am Montag begonnen.

Großes Thema sind weiters die Landesstraße in die Windau und die Geschwindigkeit der Autofahrer. So sind Punkte in dem Konzept eine Geschwindigkeitsbeschränkung bis zum Golfplatz von 40 km/h, Geschwindigkeitskontrollen und so genannte „Sharrow­s“, die auf den verstärkten Radverkehr aufmerksam machen sollen. Zudem soll die Straße ab dem Jägerhäusl um einen Meter verbreitert werden. In diesem Bereich sind besonders viele Radfahrer in die Windau unterweg­s.

Auch sind eine bessere Radweganbindung des Bahnhofs von beiden Seiten und mehr Parkflächen im Zentrum angedacht. Nun sollen die weiteren Ideen eingearbeitet und ein Endbericht erstellt werden. Dann wird das Konzept dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt, wichtig ist Schermer allerdings, dass es nicht in einer Schublade verschwindet, sondern umgesetzt wird.