Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Bezirk Imst

Venter Volksschulkinder lernen in Sölden fürs Leben

Der Gemeinderat in Sölden hatte den Vorgaben des Landes zu folgen und legt die Venter Volksschule vorübergehend still.

Die Fertigstellung der Lehnenbachgalerie zwischen Sölden und Vent soll die Straße auch für Schülertransfers sicherer machen.

© BBA Imst/CoviniDie Fertigstellung der Lehnenbachgalerie zwischen Sölden und Vent soll die Straße auch für Schülertransfers sicherer machen.



Von Thomas Parth

Sölden, Vent – Die Sachlage ist klar: Die neuen Vorgaben der Landesschulbehörde lassen nur noch Schulen mit mindestens zehn Kindern zu, weshalb die Gemeinde Sölden dazu aufgefordert ist, die Volksschule im Ortsteil Vent zu schließen. „Wir haben in Vent zu wenige Schüler, um die Volksschule weiter aufrechterhalten zu können“, legt BM Ernst Schöpf offen.

In Ausnahmefällen könne man von sechs Schülern noch auf drei Schüler zurückgehen, das alles jedoch nur, wenn die Aussicht auf nachwachsende Schülergenerationen bestehe. „Nach den neuen Auflagen sind aber zehn Schüler notwendig“, so Schöpf, der zusammen mit den Venter Eltern die Bildungsdirektion aufgesucht hat. „Eine Stilllegung ist deshalb das geringere Übel als eine Auflösung der Schule, da man diese in stärkeren Jahrgängen leichter wiederbeleben könnte“, informiert BM Schöpf.

GR Markus Pirpamer äußert sich kritisch: „Ein sechsjähriges Kind aus Vent herauszuschicken, ist trotz Lehnenbachgalerie riskant, da es Tage gibt, an denen die Straße wegen Lawinengefahr komplett zu ist. Dann ist das Kind in Sölden, hat womöglich keine Verwandten im Ort und kann unter Umständen zwei Tage nicht zurück.“ Auch diese Diskussion sei geführt worden, bestätigt BM Schöpf. GV Stefan Brugger weiß: „Wir hatten im vergangenen Winter acht Straßensperren an insgesamt elf Tagen.“

Den Vertretern der Schulbehörde sei die schwierige Situation bekannt. Sie hätten Beispiele aus dem Lechtal und Osttirol ins Treffen geführt. An Tagen, die bereits in der Früh eine Lawinensperre erfordern, ist schulfrei.

„Im Einzelfall kann es schon passieren, dass die Kinder fern der Heimat im Schulort gestrandet sind“, ist sich Schöpf bewusst. GV Brugger: „Eine Stilllegung der Schule in Vent erlaubt es uns, in zwei Jahren erneut um eine Öffnung anzusuchen.“

Den einhelligen Tenor „Gegen eine Stilllegung kann man nichts machen“ unterbricht GR Pirpamer humorig: „Vielleicht bekommen wir Zuzug in Vent. Eine Familie mit sechs Kindern wäre schön.“ Diesem möglichen Ausweg pflichtet BM Schöpf bei: „Das ist so, weil bei der klassischen Produktion dauert es doch ein paar Jahre, bis die Kinder als Volksschüler erscheinen.“

Dem sechsten Tagesordnungspunkt, der Stilllegung der Venter Volksschule, wurde einstimmig zugestimmt.