Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.05.2019


Exklusiv

Land startet UVP für Gletscherehe Ötztal-Pitztal

Nach Vorlage aller Unterlagen hat das Land jetzt die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Zusammenschluss des Pitztaler und Ötztaler Gletschers eingeleitet. Das Projekt mit drei neuen Seilbahnen liegt ab 15. Mai zur Stellungnahme auf.


Jakob Falkner (2. v. r./Bergbahnen Sölden) und Hans Rubatscher (r./Pitztaler Gletscherbahnen) sind die treibenden Kräfte des 120-Millionen-Euro-Projekts, das die beiden Gletscher verbinden soll.

© Thomas Boehm / TTJakob Falkner (2. v. r./Bergbahnen Sölden) und Hans Rubatscher (r./Pitztaler Gletscherbahnen) sind die treibenden Kräfte des 120-Millionen-Euro-Projekts, das die beiden Gletscher verbinden soll.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Vor drei Jahren wurde die bei alpinen Vereinen und Umweltorganisationen umstrittene Verbindung zwischen dem Pitztaler und Ötztaler Gletscher beim Land zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht. 8000 Seiten umfasste die Projektbeschreibung, doch die Umweltbehörde musste nicht weniger als drei Mal einen Nachbesserungsauftrag erteilen. Nach dem in dieser Woche vorgenommenen Abschluss der Vollständigkeitsprüfung wurden die konsolidierten Einreichunterlagen der UVP-Behörde am 7. Mai übermittelt.

Damit waren für das Land vorerst alle Unklarheiten beseitigt, die Umweltverträglichkeitsprüfung für die Gletscherehe konnte offiziell kundgemacht werden. Die Pitztaler und Ötztaler Gletscherbahnen wollen rund 120 Millionen in ihr Vorhaben investieren. Der Genehmigungsantrag sowie die Einreichpläne liegen vom 15. Mai bis 1. Juli in den vom Vorhaben berührten Gemeinden St. Leonard im Pitztal und Sölden sowie im Amt der Tiroler Landesregierung in Innsbruck zur Einsichtnahme und Stellungnahmemöglichkeit auf.

In der vorgelegten Umweltverträglichkeitserklärung werden vor allem die Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt und die Maßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung dieser Beeinträchtigungen beschrieben.

Für die seilbahntechnische Verbindung zwischen dem Pitztaler und Ötztaler Gletscher soll aus der Talsohle Mittelberg im Pitztal eine Zubringerbahn in das Gebiet um den „Linken Fernerkogl“ errichtet werden. Insgesamt sind drei neue Seilbahnen geplant: Die Seilbahn „3S Fernerkogl“ dient als Zubringer aus dem Pitztal in das neue Zentrum unterhalb der Braunschweiger Hütte. Die „Fernerkogl II“-Seilbahn führt vom Zentrum auf einen Felsgrat rund 300 Meter östlich des Linken Fernerkogls. Mit der dritten neuen Bahn (Fernerkogl III) erfolgt schließlich die Verbindung in das Ötztaler Skigebiet, die neue Bergstation liegt auf 3.245 Meter Seehöhe.

Durch einen 614 Meter langen Skitunnel können die Skifahrer schließlich zwischen den beiden Skigebieten wechseln. Dazu kommen noch eine multifunktionale Tal- und Bergstation sowie ein Speicherteich mit einem Fassungsvermögen von rund 100.800 Kubikmetern und 64 Hektar neue Pisten. An Letzteren scheiden sich auch in der Landesregierung die Geister. Von den Projektbetreibern werden die beabsichtigten Pisten um den Linken Ferner­kogl jedoch als Herzstück der Skigebietsverbindung bezeichnet.

Nach Ende der Stellungnahmefrist wird die UVP-Behörde im Sommer das Projekt auf seine Umweltverträglichkeit hin bewerten, dazu werden Gutachten von Sachverständigen eingeholt. Schlussendlich kommt es zur mündlichen Verhandlung. Vor der Entscheidung können noch einmal alle Parteien ihre Interessen öffentlich vertreten. Der Landesumweltanwalt äußerte bereits ernsthafte Bedenken, Alpenverein und WWF sind ebenfalls dagegen.

Die Gletscherbahnen hoffen hingegen auf die Zusagen von Tourismusreferent LH Günther Platter (ÖVP), der den Zusammenschluss befürwortet. Und auf ein rasches Verfahren. Nach ihren Vorstellungen soll bereits im Oktober die mündliche Erörterung und spätestens im Jänner 2020 der positive UVP-Bescheid erfolgen. So oder so wäre das noch nicht das Ende der Fahnenstange. Einsprüche sind gewiss.