Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.05.2019


Osttirol

Die Tiwag kämpft um jede Kilowattstunde

Das Ausleitungskraftwerk Gruben soll mit 85 Gigawattstunden das zweitstärkste im Bezirk werden. Verzögerungen sind einkalkuliert.

Unterhalb der Pumpleitung der Transalpinen Ölleitung ist das Krafthaus geplant.

© TiwagUnterhalb der Pumpleitung der Transalpinen Ölleitung ist das Krafthaus geplant.



Von Daniela Agu

Matrei i. O. – Die Tiwag verfolgt aktuell zwei Kraftwerksprojekte in Osttirol. Vorstandsdirektor Johann Herdina informierte dazu gestern in einer Pressekonferenz in Matrei: „Den Bescheid zur Umweltverträglichkeit des Tauernbachkraftwerkes erwarten wir in den nächsten 14 Tagen.“ Herdina zeigte sich sehr zuversichtlich, dass der Bescheid positiv ausfallen werde. Einwände von NGOs wie dem WWF, dem Alpenverein oder dem Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol habe man in der Zeitplanung bereits berücksichtigt.

Ein Baubeginn für das Kraftwerk Tauernbach-Gruben ist für frühestens 2023 vorgesehen. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit könnte 2027 die Inbetriebnahme erfolgen. Eingereicht wurde das jetzige Projekt im Jahr 2013. Geplant ist ein Ausleitungskraftwerk mit der Wasserfassung im Bereich der Schildalmen und einem Krafthaus direkt unterhalb der Pumpstation der Transalpinen Ölleitung (TAL). Ein Druckstollen verläuft über die Länge von zwei Kilometern und mündet in eine erdverlegte Druckrohrleitung von weiteren sechs Kilometern Länge, die zum Krafthaus führt. Zwei Querungen der TAL und des Tauernbaches sind für die Umsetzung erforderlich.

Die Tiwag hat für die geplante Anlage eine durchschnittliche Jahresproduktio­n von 85 Gigawattstunden (GWh) errechnet. Damit wär­e das Kraftwerk Tauernbach-­Gruben nach jenem in Amlac­h (Regeljahreserzeugung: 219 GWh) das leistungsstärkste im Bezirk.

Tiwag-Vorstand Johann Herdina (l.) und Projektleiter Wolfgang Stroppa sehen die Vorhaben Tauernbach und Schwarzach positiv.
Tiwag-Vorstand Johann Herdina (l.) und Projektleiter Wolfgang Stroppa sehen die Vorhaben Tauernbach und Schwarzach positiv.
- Daniela Agu

Auf die Frage, ob sich der Aufwand noch lohne, antwortete Herdina: „Wir brauchen künftig jede Kilowattstund­e. Der Stromverbrauch steigt in Tirol nach wie vor leicht an, trotz aller Bemühungen zum effizienten Einsatz von Energie.“ Herdina hält sogar eine Unterversorgung für möglich und nannte die Elektromobilität als Herausforderung.

Auch die Erweiterung des Schwarzachkraftwerkes ist für Herdina lediglich eine Frage der Zeit: „Widerstand ist vorprogrammiert, wir werden noch zwei Verfahrensrunden drehen.“ Der Ausbau erhöhe den Ertrag um 22 auf 83 Giga­wattstunden pro Jahr. „Tirol ist reich an weißem Gold“, meinte Herdina. „Wir haben das Wasser und die Fall­höhe. Beides gilt es umwelt­schonend zu nutzen.“