Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.05.2019


Innsbruck-Land

Ärger in Obernberg: „Das Niveau im Gemeinderat ist tief gesunken“

Bei manchen Themen geht es in Obernberg heiß her. Eine Gemeinde­rätin trat deshalb zurück, Ersatz zu finden war gar nicht so leicht.

Die Gemeinde Obernberg liegt beschaulich, manche Konflikte laufen hingegen emotional ab.

© Thomas Böhm / TTDie Gemeinde Obernberg liegt beschaulich, manche Konflikte laufen hingegen emotional ab.



Von Denise Daum

Obernberg – Eine Mischung aus Ärger und Resignation ist im Gespräch mit Obernbergs Vizebürgermeister Roman Grünerbl (Einheitsliste) herauszuhören, wenn er über die Zustände in der Gemeinde spricht. „Im Dorf hat eine kleine Gruppe das Sagen. Es werden nur noch die Einzelinteressen, vornehmlich der Bauern, verfolgt“, sagt Grün­erbl. Das Niveau sei tief gesunken. Nicht zuletzt deshalb habe Martina Lanthaler von seiner Liste ihr Mandat zurückgelegt. Grünerbl bedauert das, zeigt aber auch Verständnis. „Das Problem ist, du findest ja fast niemanden mehr, der sich das bei diesen Zuständen antut.“ Zwei nachgereihte Mitglieder der Einheitsliste haben abgelehnt, in den Gemeinderat einzuziehen. Alexandra Riedl aus beruflichen Gründen, wie sie sagt. Anton Hörtnagl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, weil er „kein Theater in den Verein reinziehen will“, wie er es formuliert. Es gebe nun mal zwei Fronten im Gemeinderat.

Das Mandat angenommen hat dann schließlich Martin Gröbner. Seine erste Sitzung liegt noch vor ihm. Voraussichtlich trifft sich der Obernberger Gemeinderat wieder Ende Mai.

Martina Lanthaler tut es leid, dass es mehrere Anläufe braucht, um ihr Mandat im Gemeinderat nachzubesetzen. Es wundere sie aber nicht. „Es bekommt ja jeder mit, wie es zugeht. Das Niveau ist teilweise im Keller.“ Sie selbst sei froh, diesen Schritt bei der vergangenen Sitzung Ende März getätigt zu haben.

Bürgermeister Josef Saxer von der zweiten im Gemeinderat vertretenen Liste (Gemeinsam für Obernberg) weist den Vorwurf, dass nur noch Einzelinteressen verfolgt würden, auf das Schärfste zurück. „Dagegen verwehre ich mich.“ Er sieht die Zustände in der Gemeinde auch nicht ganz so dramatisch wie die Vertreter der Einheitsliste und verweist auf die großteils einstimmigen Gemeinderatsbeschlüsse. Wenngleich er einräumt, dass es manchmal „schon unter die Gürtellinie geht und es einige Reibepunkte gibt“.

Die heftigsten Streitereien hätten Saxer zufolge aber nicht unbedingt etwas mit Gemeindepolitik zu tun. „Es sind Einzelpersonen, die ihre Privatstreitigkeiten austragen“, so Saxer. Er sei als Bürgermeister schon bereit, etwas zur Beruhigung zu unternehmen. „Aber in Privatangelegenheiten mische ich mich sicher nicht ein.“