Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.05.2019


Bezirk landeck

Viele Dörfer im Bezirk Landeck verlangen Hausapotheke

Bei Versammlung im Pianner Gemeindesaal machten zahlreiche Bürger ihrem Ärger Luft. Standort der Arztpraxis soll um 200 Meter verlegt werden, um gesetzliche Vorgaben für eine Hausapotheke zu erfüllen.

In Pians (Bild), Grins, Strengen und Tobadill ist der Ärger wegen der fehlenden Hausapotheke groß.

© WenzelIn Pians (Bild), Grins, Strengen und Tobadill ist der Ärger wegen der fehlenden Hausapotheke groß.



Von Helmut Wenzel

Pians, Grins, Strengen, Tobadill – Monatelang war die Arztpraxis in Pians verwaist. Als der Allgemeinmediziner Richard Antwi aus Ghana 2014 die Ordination wieder aufgesperrt hatte, war die Erleichterung groß. „Ich habe gewusst, dass ich eine Praxis ohne Hausapotheke übernehme“, schilderte Antwi am Dienstagabend im voll besetzten Pianner Gemeindesaal. Dort hatte Antwi mit Bürgermeister Harald Bonelli sowie mit Vertretern der Plattform „Einarztgemeinde“ zum Infoabend eingeladen.

Laut Gesetz müsste die Wegstrecke vom Apotheken-standort Landeck bis zur Arztpraxis in Pians mindestens sechs Kilometer sein, damit Antwi eine Hausapotheke führen darf. „Es sind aber nur 5,8 Kilometer“, klärte der Bürgermeister auf. „Wenn der Standort um 200 Meter verlegt wird, könnte das Problem gelöst werden.“

Der Standort der Pianner Arztpraxis könnte verlegt werden.
Der Standort der Pianner Arztpraxis könnte verlegt werden.
- Wenzel

Antwi sieht Probleme und Nachteile in Zusammenhang mit der fehlenden Hausapotheke. „Patienten fragen mich oft, warum sie bei mir keine Medikamente bekommen. Ich kann sie nur auf die Politik verweisen.“ Es gehe vor allem um die Versorgung älterer Patienten und Menschen mit Mobilitätseinschränkung. „Es gibt auch Patienten, die meine Praxis meiden und dorthin gehen, wo sie gleich ihre Medikamente bekommen.“ Er selbst behandle pro Quartal 700 bis 800 Patienten aus Strengen, Grins, Pians und Tobadill. Mit Hausapotheke wären es deutlich mehr, sagten die Vertreter der Plattform „Einarztgemeinde“. „Das bestätigt uns die Statistik.“

Mehrfach kamen empörte Reaktionen aus dem Saal, Schimpfworte wie „Frechheit“ fielen. „Es ist mühsam, wenn ich im Winter von Tobadill zuerst zum Pianner Doktor fahre, dann mit den Rezepten zur Landecker Apotheke muss. Dort muss manchmal ein Medikament erst bestellt werden. Das heißt, ich muss am nächsten Tag wieder nach Landeck“, schilderte ein Bewohner aus Tobadill. „Die Kilometergrenze ist mehr als altmodisch, sie ist ein Witz. Wir verlangen eine Hausapotheke“, sagte ein Teilnehmer lautstark. „Das Monopol der Apotheker gehört abgeschafft“, forderte Alt-Bürgermeister Alois Kolp, „aber die Politik ist dazu nicht in der Lage.“ Der Obmann des Infrastrukturausschusses, GR Thomas Pichler, hält nichts davon, auf eine Gesetzesänderung im Parlament zu warten: „Vielmehr sollten wir dem System ein Schnippchen schlagen und den Arzt- standort auf die Pianner Höhe (Taleinfahrt ins Paznaun, Anm.) verlegen.“ Man werde diese Möglichkeit im Rahmen der Dorfentwicklung prüfen. Mehrfach empfahlen die Redner, National- und Bundesräte zu kontaktieren und Überzeugungsarbeit für die nötige Gesetzesänderung zu leisten. Christine Handl, Obfrau des örtlichen Sozialvereins, hob hervor, die NR Gahr und NR Pfurtscheller würden die Hausapotheken-Forderung bereits unterstützen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Dass es derartige Probleme wie in Pians auch anderswo in Tirol gebe, etwa in Lermoos und Sölden, zeigte der Tulfer Ärztekammervertreter Klaus Schweitzer auf. Er ist zuständig für das Hausapotheken-Referat: „Die beste Versorgung am Land ist die Versorgung aus einer Hand. Aber die Gesetzeslage steht leider nicht auf unserer Seite.“

Die in Praxen gesammelten Unterstützungsunterschriften für eine Gesetzesänderung werde man rasch nach Wien bringen, sagten die „Einarztgemeinde“-Vertreter.