Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.05.2019


Innsbruck

Einhausung im Westen Innsbrucks: (K)Ein Deckel für die Autobahn

So wie in Zürich oder in Amras sind Anrainer in Innsbruck-West von Verkehrslärm geplagt. Bürger fordern eine Einhausung, Bürgermeister Willi Geld von der Asfinag.

In Zürich wird die Stadtautobahn über eine Länge von einem Kilometer eingehaust. Die Bauarbeiten im Quartier Schwamendingen dauern fünf Jahre (bis 2023).

© Stadt ZürichIn Zürich wird die Stadtautobahn über eine Länge von einem Kilometer eingehaust. Die Bauarbeiten im Quartier Schwamendingen dauern fünf Jahre (bis 2023).



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der Innsbrucker Architekt Harald Schweiger ist hartnäckig. Er fürchtet, dass die Idee einer Einhausung der Autobahn im Westen der Landeshauptstadt unter der neuen Stadtführung endgültig zu Grabe getragen wird. Rund 25.000 Menschen in den westlichen Stadtteilen seien schwer lärmgeplagt. So wie in Innsbruck-Amras solle eine noch viel längere Einhausung der Autobahn zwischen der Abfahrt Kranebitten und Innsbruck-West den Verkehrslärm schlucken. 100.000 Quadratmeter Fläche würden dadurch entstehen, sagt Schweiger. „Wir hätten Platz für eine Parklandschaft und einen Studentencampus. Das brächte mehr Lebensqualität und Lärmschutz.“ Schweiger geht mit dem Projekt schon länger schwanger. Wie mehrfach berichtet, tauchte es im Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf auf und findet sich auch im Koalitionspapier der Stadtregierung wieder. „Es ist das Bohren harter Bretter“, sagt Schweiger.

In Zürich im Quartier Schwamendingen wird schon gebohrt. Gleich wie in Innsbruck verläuft die Autobahn quer durch die Stadt. 2018 fuhren nach jahrzehntelanger Diskussion die Bagger auf. Eine der verkehrsreichsten Straßen der Schweiz, mit 120.000 Fahrzeugen täglich, erhält einen Deckel. 2023 soll das Projekt fertig sein. Die Einhausung sei nötig geworden, weil die Grenzwerte für Lärm bei Tag und bei Nacht überschritten worden seien, heißt es vom Bundesamt für Straßen. Auf dem Dach entsteht eine Parkanlage. Rampen, Treppen und Lifte sollen die Züricher zu Fuß und mit dem Rad in das Naherholungsgebiet locken.

Schauplatzwechsel nach Innsbruck-Ost. Auf dem Dach der Autobahneinhausung Innsbruck-Amras spielen heute Kinder. 2011 wurde das rund 60 Millionen teure Projekt mit Musikkapelle und Schützenkompanie eröffnet. Rund 75.000 Fahrzeuge werden täglich gezählt, entlang der 910 Meter langen Tunnelröhre wird deren Lärm geschluckt. Die Lebensqualität hat stark zugenommen.

Kein so großer Fan von einer Einhausung im Westen der Stadt ist Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi. Er fürchtet die „Riegelwirkung“ der langen Verbauung. Ein Absenken der Autobahn, wie von Architekt Schweiger ins Spiel gebracht, hält Willi wegen des Inn-Grundwassers für nicht möglich. „Mir ist lieber, dass die Autobahn im Berg verschwindet“, sagt er. Willi meint damit den Mentl­berg, durch den ein Tunnel führen würde. „Eine Variante, die vermutlich mehr kostet als eine Einhausung“, räumt Willi ein. Aber der Straßenerhalter Asfinag verdiene in Tirol durch die Brennermaut am meisten österreichweit. Das Geld fließe aber nach Wien. „Im von der sehr mächtigen ÖVP-regierten Niederösterreich wird eine Autobahn im Waldviertel vorangetrieben, wo die Verkehrsfrequenz so gering ist, da müssen wir in Tirol mit ganz anderen Belastungen fertig werden.“

Willi befindet, die Asfinag möge damit beginnen, Geld, das in Tirol verdient werde, auch in Tirol zu investieren. Das Tunnelprojekt durch den Mentlberg sieht der Bürgermeister auf die nächsten 15 Jahre gedacht. „Umzusetzen wäre es, das Geld ist da.“

Bei der Alpenstraßen GmbH in Innsbruck verweist Geschäftsführer Stefan Siegele darauf, „dass noch gar nichts Konkretes auf dem Tisch liegt“. Die Finanzierung sei daher völlig offen. Die Idee, einen Autobahnabschnitt im Westen der Stadt einzuhausen, kennt Siegele natürlich. Der Straßenerhalter macht sich indes daran, die Lärmschutzwände in Innsbruck-West zu modernisieren. „Die Wände werden erhöht und auf den neuesten technischen Stand gebracht.“ Das sei in den nächsten Jahren umzusetzen.

Harald Schweiger hält den Mentlberg-Tunnel für noch schwerer zu realisieren als eine Einhausung. Die Autobahn tiefer zu legen, sei technisch jedenfalls möglich, ähnlich wie bei begrünten und überbauten Tiefgaragen. „Und auf dem Dach der Einhausung ließe sich eine autofreie Verbindung zwischen den Stadtteilen und den Universitäten verwirklichen“, versucht der Architekt den grünen Innsbrucker Bürgermeister zu locken. Es wird wohl das Bohren harter Bretter bleiben.

Unterm Grün in Amras verläuft die Autobahn. Das könnte auch in Innsbruck-West funktionieren, meint Architekt Harald Schweiger.
Unterm Grün in Amras verläuft die Autobahn. Das könnte auch in Innsbruck-West funktionieren, meint Architekt Harald Schweiger.
- Thomas Boehm / TT