Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Imst

Gemeinde Arzl baut sich Netz für Wärme und Strom

Im Energiebereich investiert die e5-Gemeinde 470.000 Euro für ein Mikroheizwerk. Eine PV-Anlage soll billigen Strom liefern.

BM Josef Knabl beschreibt das Konzept vor dem Rohbau des Mikroheizwerkes, das die Wärme bringen soll. Der Strom aus der PV-Anlage soll vom Dach des Gemeindehauses darüber kommen.

© PaschingerBM Josef Knabl beschreibt das Konzept vor dem Rohbau des Mikroheizwerkes, das die Wärme bringen soll. Der Strom aus der PV-Anlage soll vom Dach des Gemeindehauses darüber kommen.



Von Alexander Paschinger

Arzl i. P. – Die Heizperiode ist trotz des Kalenders noch nicht ganz vorbei. In Arzl wird die bisherige Fernwärme aber mit Ende Juni Geschichte sein. Wie berichtet, wird dieses alte und vor allem altersschwache Versorgungsnetz aufgelassen. Die Gemeinde hat reagiert und in den vergangenen Monaten an einem eigenen kleinen Heizwerk, einem Mikroheizwerk, gearbeitet. Als Nächstes ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gemeindehauses angedacht. Und alles zusammen soll die e5-Gemeinde Arzl in ihrer Energieeffizienz voranbringen.

An diesem Mikroheizwerk werden das Gemeindehaus, das Tenniscafé, der Turnsaal und die Musikschule hängen. „Eine ähnliche Anlage haben wir ja schon beim Haus am Platzl in Betrieb“, erklärt BM Josef Knabl. Dort sind unter anderem Kindergarten und Volksschule angeschlossen.

Für das neue Heizkraftwerk in der „Gruabe“ hatte sich Knabl vom Gemeinderat einen finanziellen Rahmen von 700.000 Euro absegnen lassen. „Wir liegen aber jetzt bei gut 470.000 Euro“, freut sich der Dorfchef. Denn man habe etwa auf die Einfüllluke für Hackschnitzel verzichtet. „Es ist jetzt einmal alles für Pellets programmiert“, so Knabl.­ Eine Nachrüstung sei aber problemlos möglich, sagt der Bürgermeister.

Natürlich gab es auch eine Diskussion darüber, ob Arzl mit seinen Agrargemeinschaften den Bedarf nicht aus eigener Hackschnitzelproduktion abdecken könne. „Die Frage ist aber, ob die Menge von 600 bis 700 Schüttraummetern Hackschnitzel zur Verfügung gestellt werden kann.“ Zusätzlich tauche auch die Frage nach Trocknung und Lagerung auf – was sehr aufwändig wäre. Aber: „Ich habe die Vision einer gemeinschaftlichen Nutzung der Waldteile“, so Knabl. Zuletzt wurde die Neuregulierung der Agrargemeinschaften in Arzl angegangen. „Manche Mitglieder wissen gar nicht, wo ihre Waldteile genau sind“, beschreibt Knabl Streifen, die „von einem Spitz nach 100 Metern zu einem Streifen von vielleicht vier Metern Breite anwachsen“. Eine künftige gemeinsame Waldnutzung könnte da Abhilfe schaffen – er weiß aber, dass dafür noch viele Gespräche zu führen wären.

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Schneller hingegen soll es mit der angedachten PV-Anlage am Dach des Gemeindehauses gehen. Da sei man gerade dabei, den Strombedarf für die dortigen Wohnungen, die Raika und die Apotheke, die von dem Sonnenstrom profitieren sollen, zu erheben. „Wichtig ist, dass der Strom aus der PV-Anlage um ein paar Cent günstiger sein wird als bisher“, so Knabl. Auch der „Smart Meter“, der pro Abnehmer rund 30 Euro kostet, würde von der Gemeinde übernommen.

Alles in allem erwartet sich Knabl durch diese Maßnahmen einen Impuls für die Weiterentwicklung als e5-Gemeinde. Derzeit liegt Arzl bei zwei von fünf „e“s.