Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 22.05.2019


Bezirk Reutte

Lechtal Coaster scheitert an Naturschutz

Das Landesverwaltungsgericht hat den positiven naturschutzrecht- lichen Bescheid der BH Reutte zum Lechtal Coaster aufgehoben.

Die Landesumweltanwaltschaft argumentierte u. a. mit dem schützenswerten Feuchtgebiet im Schiggenhang in Holzgau.

© LandesumweltanwaltschaftDie Landesumweltanwaltschaft argumentierte u. a. mit dem schützenswerten Feuchtgebiet im Schiggenhang in Holzgau.



Von Helmut Mittermayr

Holzgau – Nichts wird es mit schrägen Kurvenlagen und Adrenalinausstoß im oberen Lechtal. Der Lechtal Coaster, ein Sommer- und Winterrodelbahnprojekt in Holzgau, dürfte über das Planungsstadium nicht hinauskommen. Denn das Landesverwaltungsgericht hat der Beschwerde der Landesumweltanwaltschaft (LUA) gegen den positiven naturschutz- und forstrechtlichen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Reutte Recht gegeben. Hatten die Juristen der BH Reutte in ihrer Abwägung noch das öffentliche Interesse (Schaffung einer weiteren touristischen Attraktion) ganz wesentlich über jene des Naturschutzes gestellt, so kritisierte die LUA genau dies vehement. Geschützte Tierarten, betroffenes Feuchtgebiet in der Schiggenwiese, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes – die LUA-Kritik war vielfältig. Umso verwunderter zeigte sich selbst Umweltanwalt Johannes Kostenzer, dass das Verwaltungsgericht seinen Argumenten gefolgt ist: „Wir waren echt überrascht, glauben aber, dass dies für das Tal besser ist.“ Es benötige eine gewisse Subtilität bei einer Betrachtung, was für das Lechtal verträglich sei. Genau darum habe man gebeten. Dass nämlich das Landesverwaltungsgericht noch einmal einen Blick darauf wirft. Mit der Beschäftigung von Gerichten geht die LUA laut Kostenzer sehr sparsam um, höchstens sieben bis zehn Fälle im Jahr würden anhängig.

Projektbetreiber Andreas Hammerle, ein Holzgauer, der in Oberösterreich lebt, kann die Freude Kostenzers natürlich nicht teilen. „Die sechswöchige Einspruchsfrist läuft dieser Tage aus. Wir prüfen gerade, ob wir in die dritte Instanz nach Wien gehen. Diese Entscheidung habe ich aber noch nicht getroffen.“ Projektplaner Rainer Kerber, Architekt aus Elbigenalp: „Dieser Richterspruch ist für mich nur schwer nachvollziehbar.“

Auch BM Günther Blaas hatte den Coaster neben dem TVB Lechtal freimütig unterstützt. „Das ist wirklich schade, dass er nicht kommt. Jetzt wird der Hang wie so viele andere zuwalden. Da hat auch niemand etwas davon.“