Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Innsbruck-Land

Pläne für Kreisverkehr lassen Haller Opposition rotieren

Haller Gemeinderat stimmte mit 13:8 für neue Verkehrslösung im Bereich B171/Brockenweg. Das „Fröschl-Haus 2“ wird nun drei- bis fünfstöckig.

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© Domanig



Hall – Das geplante neue Büro­gebäude der Firma Fröschl und das ohnehin stets brisante Verkehrsthema sorgten am Dienstagabend in Kombination für heftige Diskussionen im Haller Gemeinderat.

Hintergrund sind Pläne zur Errichtung eines neuen Kreisverkehrs an der neuralgischen Kreuzung von B171-Salzburger Straße und Brockenweg, für die sich der Gemeinderat letztlich per Grundsatzbeschluss mit 13:8 Stimmen aussprach, denn durch den Kreisel mit 42 m Außendurchmesser ändert sich auch die Situierung des „Fröschl-Hauses 2“, das östlich vom Brockenweg, vis-à-vis von der jetzigen Firmenzentrale, entstehen soll. Also musste zunächst der bestehende Bebauungsplan aufgehoben werden. Zugleich soll das neue Fröschl-Haus – für das der seit 2017 rechtskräftige Bebauungsplan E + 3 Geschoße vorsah – nun im Süden turmartig um zwei weitere Stockwerke erhöht werden.

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Besonders rund um den Kreisverkehr hagelte es Kritik der Opposition: StR Barbara Schramm-Skoficz (Grüne) erinnerte daran, dass das Land früher einen Kreisel an dieser Stelle abgelehnt habe. „Ich möchte wissen, was sich nun geändert hat.“ Doch man habe das neue Verkehrsgutachten erst kurzfristig erhalten und nicht einmal mit dem zuständigen Sachverständigen besprechen können. Generell brauche es „ein regionales Gesamtverkehrskonzept, bevor man Einzelmaßnahmen setzt“, so die Stadträtin.

GR Nicolaus Niedrist (Für Hall) verwies darauf, dass der Gutachter zwei Varianten berechne – nämlich mit einer überregionalen Verkehrslösung östlich von Hall („Spange Ost“) und ohne. „Die klare Aussage ist, dass der Kreisverkehr bei Variante 2, ohne Entlastung durch die Spange, an der Kapazitätsgrenze liegt und nur noch die unzureichende Qualitätsstufe E erreicht.“ Kurz: Ohne Spange funktioniere der Kreisel nicht – bzw. laut Gutachter nur dann, wenn es an der ebenfalls überlasteten Kreuzung Galgenfeldstraße zu einer Verkehrsdosierung per Ampelanlage komme.

Niedrists Fazit: „Mit den vorliegenden Informationen kann ich nicht beurteilen, ob der Kreisverkehr die beste Lösung ist“ – zumal auch die Finanzierung viele Fragen offenlasse. Zwar ist laut BM Eva Posch (VP) von einer 25-prozentigen Kostenbeteiligung durch die Stadt auszugehen – „aber wie hoch diese Kosten sein werden, wissen wir nicht“, kritisiert Niedrist. Bisher liegt laut Posch seitens des Landes nur eine grobe Kostenschätzung von ca. 2,5 Mio. Euro vor.

„Wir bauen den Kreisverkehr nur für einen großen Bauunternehmer in Hall“, der dadurch einen eigenen Zufahrtsarm erhalte, kritisierte GR Julia Schmid (SPÖ).

Dem trat BM Posch klar entgegen: Der Verkehr im Stadtteil Untere Lend und im Gewerbegebiet steige stetig, mit dem Kreisverkehr werde das schwierige Einfahren vom Brockenweg in die B171 gegenüber der jetzigen Ampelregelung einfacher, auch weil die Betriebszufahrt zum Fröschl-Bauhof besser funktionieren werde. Und Vize-BM Werner Nuding (VP) stellte klar: „Wir bauen den Kreisverkehr für das gesamte Stadtviertel, er kann das Verkehrsproblem am Brockenweg lösen.“ Auch StR Irene Partl (FPÖ) rechnet mit besserem Verkehrsfluss und „weniger Halten und Anfahren“, StR Gerhard Mimm (SPÖ) sieht „einen Mosaikstein“.

Die geänderten Pläne für das neue Fröschl-Haus selbst stießen ebenfalls auf Kritik der Opposition: Auf der „riesigen Fläche“ östlich des Brockenwegs ermögliche man ein Gebäude, „wie es in Hall in puncto Dichte und Ausführung bislang keines gibt“, so Niedrist, „ohne sich zu überlegen, was auf dem Areal weiter passieren soll“. Die SPÖ vermisste eine Visualisierung des Großprojekts.

Die neuen Pläne seien auf Bedenken in Sachen Ortsbildschutz eingegangen, konterte Nuding, weshalb der „Turm“ nun im Süden (der Altstadt abgewandt) ausgeführt werde statt im Norden – und fünf- statt sechsstöckig. Zudem entspreche das Gesamtprojekt, mit einem Nahversorger unten und Büros darüber, genau dem Ziel flächensparender Planung. Am Ende machte der Gemeinderat mit 12:8 Stimmen bei einer Enthaltung den Weg dafür frei. (md)