Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Bezirk Reutte

Abgeschiedenheit sichert die Fächervielfalt am BKH Reutte

Die Spitalsreform hat Auswirkungen auf das Außerferner Krankenhaus. Neue interdisziplinäre Zusammenarbeit bringt Mutter-Kind-Zentrum.

Präsentierten die Auswirkungen der Spitalsreform auf das Bezirkskrankenhaus Reutte (v. l.): Ärztlicher Leiter Primar Eugen Ladner, Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Verbandsobmann Aurel Schmidhofer.

© Mittermayr HelmutPräsentierten die Auswirkungen der Spitalsreform auf das Bezirkskrankenhaus Reutte (v. l.): Ärztlicher Leiter Primar Eugen Ladner, Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Verbandsobmann Aurel Schmidhofer.



Von Helmut Mittermayr

Ehenbichl – Das Lamentieren über die dislozierte Lage des Bezirks Reutte und die Auswirkungen daraus gehören zum Standardrepertoire unter den Grantlern im Außerfern. Nun gibt es einmal ein Beispiel für einen Vorteil, der aus der angeblichen Abgeschiedenheit erwachsen kann. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg präsentierte am Donnerstag die Auswirkungen der Spitalsreform auf das BKH Reutte zusammen mit dem Ärztlichen Leiter Prim. Eugen Ladner und Verbands­obmann Aurel Schmidhofer. Das große vielfächrige Leistungsspektrum im kleinen Haus bleibt unangetastet. Allerdings wird künftig die interdisziplinäre Zusammenarbeit enorm forciert und Abteilungen verschränkt.

Eine Neuerung ist die Errichtung eines Departments für Akutgeriatrie und Remobi­lisation mit zwölf Betten – eine stärkere Berücksichtigung von Alterserkrankungen und der demografischen Entwicklung. Auch für eine Übergangspflege werden sechs zusätzliche Betten eingerichtet. Trotzdem wird die Gesamtbettenzahl von 138 (2017) auf 131 (2025) leicht zurückgefahren. Das absolute Forcieren der Tagesklinik bei Gynäkologie, Chirurgie, HNO, Innere, Augen und weiteren Abteilungen gilt als neuer Schwerpunkt schlechthin. Gleiches gilt für die Wochenpflege. Dies und der Aufbau interdisziplinärer Abteilungen sind der Grund für die gewünschte Bettenreduktion. So sollen Gynäkologie und Pädiatrie zu einem Mutter-Kind-Zentrum zusammengeführt werden – für den Ärztlichen Leiter ein „Leuchtturmprojekt“. Auch bei anderen Fächern sollen von OP- bis Bettenbelegung die Disziplinen aufgeweicht werden. Das Denken in Stationen werde im ganzen Haus aufhören, ist sich Ladner sicher.

Vor allem die Innere Medizin (43 Betten) und die Orthopädie/Traumatologie (27 Betten) verzeichnen eine hohe Auslastung. Die Vor-Ort-Behandlung in den Bereichen Augenheilkunde, HNO und Urologie bleibt in Form der dislozierten Tages- und Wochenklinik bestehen. Als Beispiel für künftige tagesklinische Leistungen – die Medizin schreite voran – wurden Arthroskopien oder Venen-Operationen genannt. Auch Chemotherapien könnten teilweise bereits ambulant erfolgen. Die Außerferner Akteure sprachen von „Verhandlungen auf Augenhöhe“, der „Finanzier“ aus Innsbruck von „hervorragender Arbeit im Bezirk“.

Im Zuge der Pressekonferenz wurde auch bekannt, dass der Vertrag für das Herzinfarkt-Netzwerk Füssen/Außerfern ein erfolgreiches grenzüberschreitendes Projekt mit dem KH Füssen verlängert worden ist.

Derzeit sind im BKH Reutte 500 „Köpfe“ beschäftigt, das Vollzeitäquivalent beträgt 250. Das Jahresbudget beläuft sich auf 30 Millionen Euro. Davon stemmen zwei Mio. die Gemeinden des Bezirks, weitere 25 Mio. tragen Kassen und der Tiroler Gesundheitsfond sowie drei das Land Tirol bei. Die Personalausgaben schlagen mit 16 Millionen Euro zu Buche. Allein die am BKH verwendeten Tumor- und Krebsmedikamente kosten jährlich eine Million Euro.