Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Exklusiv

Investoren aus EU schielen auf Bauland und Bauernhöfe

Grundverkehrsbericht: Der Grundstücksmarkt gerät immer mehr in Bedrängnis. Auch Landwirtschaften im Visier von Kapitalgesellschaften.

Baulandflächen in Tirol sind begehrt: 3000 Hektar werden zur Preissteigerung gehortet, zugleich droht der Ausverkauf.

© WodickaBaulandflächen in Tirol sind begehrt: 3000 Hektar werden zur Preissteigerung gehortet, zugleich droht der Ausverkauf.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Grundverkehrsberichte der vergangenen Jahre: Grund und Boden in Tirol sind begehrt, Baulandflächen in den Gunstregionen und Ballungsräumen nahezu unerschwinglich. Im Durchschnitt kostet ein Quadratmeter mehr als 460 Euro, in Innsbruck bereits rund 1000 Euro und in Kitzbühel 900 Euro. Grundstücke gelten als sichere Kapitalanlage, zum anderen rücken seit Jahren auch Bauernhöfe in den Mittelpunkt des Interesses von finanzkräftigen Käufern. Vor allem aus anderen EU-Ländern.

Allein im Vorjahr wechselten 2937 Baugrundstücke den Besitzer, im Jahr 2017 waren es 2830. Der Druck auf den Immobilienmarkt ist deshalb weiterhin groß. „Insbesondere bei der Befriedigung des Wohnraumbedarfes für die ansässige und wohnungssuchende Bevölkerung ist diese Entwicklung zunehmend sozial nicht mehr verträglich und in den Auswirkungen sehr nachteilig“, heißt es im aktuell vorliegenden Grundverkehrsbericht des Landes für 2018.

Hinzu kommt, dass die Nachfrage von nicht in Tirol ansässigen Investoren aus der Europäischen Union bzw. dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bei den unbebauten Baugrundstücken beträchtlich ist. „Seien es Investitionen zu Zwecken von Kapitalanlagen oder zu Wohn- oder gewerblichen Zwecken“, analysieren die Grundverkehrsexperten des Landes.

295 Rechtserwerbe an Baulandimmobilien wurden von Käufern anderer EU-Staaten getätigt, das sind zehn Prozent aller Grundstücksankäufe. Der Bezirk Innsbruck-Land ist in dieser Statistik übrigens nicht enthalten. Angesichts der Verknappung der Ressource Boden im Dauersiedlungsraum und der stark steigenden Preise am Bodenmarkt wird empfohlen, „die auf der gemeinschaftsrechtlichen Kapital- und Zahlungsverkehrsfreiheit gestützte Ermöglichung von Rechtserwerben allein zu Investitions- und Anlagezwecken einer kritischen Beurteilung zu unterziehen“. Das passiert aktuell mit politischen Überlegungen der schwarz-grünen Landesregierung für ein Interessentenmodell zugunsten der einheimischen Bevölkerung, der Gemeinden oder gemeinnützigen Bauvereinigungen.

Zugleich kämpft die Landwirtschaft mit negativen Entwicklungen. In 59 Fällen – die Hälfte im Außerfern – scheinen ebenfalls Bürger aus EU-Staaten als Käufer von land- und forstwirtschaftlichen Flächen auf. Tendenzen zur Schaffung von Großgrundbesitzungen, des Erwerbes an land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken durch juristische Personen, insbesondere auch durch Kapitalgesellschaften, würden von einem zunehmenden Druck auch auf den landwirtschaftlichen Grundstücksverkehr, zeugen, wird gewarnt.