Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.06.2019


Bezirk Kitzbühel

Viel Kritik an Wohnprojekt in Westendorf

Ein sozialer Wohnbau sorgt in Westendorf für Aufregung. Den Anrainern stößt die Vorgangsweise sauer auf. Auch TVB und Wirtschaftskammer zeigen sich kritisch. Doch das Vorhaben scheint bereits auf Schiene.

Die Wohnungen sollen direkt neben der Skiwiese und einem Après-Ski-Lokal gebaut werden.

© PrivatDie Wohnungen sollen direkt neben der Skiwiese und einem Après-Ski-Lokal gebaut werden.



Von Harald Angerer

Westendorf – Insgesamt sind es 21 Wohnungen, die in der Schulgasse in Westendorf entstehen sollen. Gebaut von der WE Tirol, mittels Baurecht auf einem Grundstück der Pfarre. 14 Einheiten sind für den sozialen Wohnbau vorgesehen, sieben für die Lebenshilfe für Klienten. So weit, so gut, doch die Anrainer sind wegen des Projektes wenig erfreut. „Die Bürgermeisterin sagte zu uns, dass wir hier im Paradies leben, aber das sei halt jetzt vorbei“, schildern die Betroffenen der TT.

Dass es sich bei der Fläche um gewidmetes Bauland handle, sei ihnen klar, auch dass es Gespräche zu einem Projekt gab. „Aber uns wurde von der Bürgermeisterin zuerst versichert, dass da lange nichts kommen wird“, sagen sie. Doch das kam jetzt anders. Das Vorhaben ist schon auf Schiene und sie hätte erst durch Zufall davon erfahren. „Aus unserer Sicht ist das Projekt für diese Gegend zu groß. Wir haben nichts gegen eine Verbauung, aber sie sollte verträglich sein“, sagen die Anrainer.

Anders sieht die Situation Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR). „Den Anrainern wurde das Projekt sogar vor dem Gemeinderat präsentiert. Aber sie wollten das eigentlich gar nicht, sie wollten es nur verhindern“, schildert Plieseis. Die Wohnungen würden in Westendorf dringend gebraucht. Bei einer allgemeinen Bedarfserhebung vor zwei Jahren hätten sich 183 Personen gemeldet. Dadurch sieht Plieseis einen Bedarf von etwa 90 Wohnungen. Deshalb ist sie überzeugt, dass genug Leute auf diese 21 Wohnungen warten würden.

Schon jetzt ist die Verkehrssituation in der Schulgasse im Winter äußerst problematisch.
Schon jetzt ist die Verkehrssituation in der Schulgasse im Winter äußerst problematisch.
- Privat

Unterstützung bekommen die Anrainer von der Wirtschaftskammer (WKO) und dem Brixentaler Tourismusverband (TVB). Beide sehen das Projekt kritisch, da es sich in einem touristisch intensiv genutzten Bereich befindet. Unmittelbar daneben liegen die Westendorfer Skiwiese mit Beschneiungsanlage sowie ein sehr stark frequentiertes Après-Ski-Lokal, und in unmittelbarer Nähe seien ingesamt 300 Gästebetten. TVB und WKO betrachten Konflikte durch das Wohnprojekt als vorprogrammiert. Dieses Problem sieht die Bürgermeisterin nicht. „Den Interessenten ist bewusst, wo sie da hinziehen, und wir haben sie auch klar darauf aufmerksam gemacht“, betont Plieseis. Ein weiteres Problem sehen die Anrainer in der Zufahrt. „Die ist im Winter jetzt schon vollkommen überlastet“, sagen sie. Hier sieht die Bürgermeisterin ebenfalls kein Problem. Die Zufahrt sei bereits von der WE geprüft worden und tauglich.

Aus Sicht der Erzdiözese Salzburg ist das Projekt schon auf Schiene. „Das Grundstück war schon lange als Bauland gewidmet und es sollte nicht zu einer Rückwidmung kommen“, sagt Kurt Sonneck, Pressesprecher der Erzdiözese Salzburg. Wichtig sei aber gewesen, dass hier die Lebenshilfe Platz finde und eben Wohnungen gebaut werden, zu sozialen Preisen.

Kein Verständnis für die Anrainer hat man von Seiten der WE Tirol. „Die Anrainer waren sehr wohl informiert. Sie sollen sich jetzt nicht unwissend geben“, sagt Christian Nigg von der WE Tirol. Die Personen seien vor Kurzem informiert worden, danach habe es auch eine Präsentation im Gemeinderat gegeben. Für die WE Tirol sei der Wohnbedarf ausschlaggebend und dieser sei von der Gemeinde bestätigt worden. „Die Bürgermeisterin hat eine Bedarfserhebung gemacht“, betont Nigg. Ohne diesen Bedarf wäre eine solche Wohnanlage auch nicht möglich, da sie dann vom Land Tirol nicht gefördert würde.

Es würde mit dem aktuellen Projekt auch nur ein Drittel der noch freien Gesamtfläche in dem Bereich bebaut, betont Sonneck von der Erzdiözese. Eine weitere Bebauung, wie von den Anrainern befürchtet, sei derzeit aber kein Thema. Auch von der WE Tirol wird betont, dass es derzeit keine weiteren Planungen gebe.

Für die Diözese und die WE ist das Projekt schon fix. Die Bürgermeisterin betont hingegen, dass es natürlich wie jedes andere Projekt noch alle Prüfungen und Gremien zu durchlaufen habe. Die Vergabe der Wohnungen erfolge dann über die Gemeinde, die Richtlinien würden aber erst ausgearbeitet. Wie schon beim Projekt Lindacker unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Eine Gemeinderatssitzung ist da, um Beschlüsse zu fassen, und keine Informationsveranstaltung. Die Kriterien werden dann aber natürlich öffentlich gemacht“, sagt die Bürgermeisterin. Die Vergabe solle transparent und nachvollziehbar sein.