Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.05.2019


Spitalsreform

Gesundheitslandesrat Tilg: „Spitalsholding wird überbewertet“

Tirolweit werden 220 Betten, in den vier Landes-spitälern 130 Betten gestrichen. Eine landesweite Spitalsholding schließt LR Bernhard Tilg derzeit aus.

Die Spitalsbetten werden um 220 reduziert, derzeit gibt es in den zehn Spitälern 4200.

© KeystoneDie Spitalsbetten werden um 220 reduziert, derzeit gibt es in den zehn Spitälern 4200.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Auch wenn Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) das Buch für die Spitalsreform von hinten liest, kann er gut damit leben. Obwohl die Lungenheilkunde vorerst im Landeskrankenhaus Natters bleibt und die Pflegeklinik dort Zukunftsmusik ist. Und die Kinder- und Jugendstation im Bezirkskrankenhaus St. Johann ebenfalls nicht aufgelassen wird und Zusammenlegungen zwischen der Klinik Innsbruck und dem LKH Hall aufgeschoben werden. „Für eine Reform benötigt es einen Konsens, von 45 Maßnahmen werden 43 umgesetzt“, betont Tilg. Außerdem würden Leistungen und Betten angepasst, die integrierte Gesundheitsversorgung sowie die Altersmedizin, Übergangs- und Schwerpunktpflege, Hospiz- und Palliativversorgung sollen gestärkt werden.

Unterm Strich bauen die zehn Tiroler Spitäler bis 2025 rund 220 Betten ab, die Landesspitalsholding Tirol Kliniken mit Innsbruck, Hall, Natters und Hochzirl alleine 130. Die Vorgabe für die Tirol Kliniken ist klar: 100 Millionen Euro Abgang – im Vorjahr waren es 70 Mio. Euro – sind ab jetzt die Obergrenze, Tilg geht davon aus, „dass die Spitalsreform kostendämpfend wirkt“.

Benötigt es neben den medizinischen Anpassungen auch strukturelle, wie eine landesweite Spitalsholding mit den sechs Bezirkskrankenhäusern? Im Vorjahr hat sich sogar Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf (VP) dafür ausgesprochen. Bernhard Tilg winkt ab und hält eine tirolweite Spitalsholding „für überbewertet“. In der Landeszielsteuerungskommission werde ohnehin alles unter den stationären Einrichtungen abgestimmt. „Das funktioniert“, sagt Tilg.

Tirol-Kliniken-Vorstand Stefan Deflorian verspricht, dass bis 2025 die Bettenreduzierung, flexible Belegungen oder der Ausbau der tages- und wochenklinischen Leistungen umgesetzt werden. „Der Prozess ist in den vergangenen Wochen nicht einfach gewesen, aber die Zusammenarbeit mit den 55 Klinikdirektoren war sehr gut.“ Der medizinische Geschäftsführer Christian Wiedermann will die Bettenauslastung von 75 auf 85 Prozent steigern.

Zufrieden ist auch der Rektor der Medizin-Uni und Systempartner an der Klinik, Wolfgang Fleischhacker. Er fühlte sich auf Augenhöhe in den Reformprozess eingebunden. „Unter Berücksichtigung von universitären Zielsetzungen und Ansprüchen haben wir in konstruktiven Gesprächen einen zukunftsorientierten Plan für eine moderne und den medizinischen Herausforderungen entsprechende Versorgung am Standort Innsbruck erarbeitet.“

 Medizin-Rektor Fleischhacker ist mit der Reform zufrieden.
Medizin-Rektor Fleischhacker ist mit der Reform zufrieden.
- Land Tirol
„In der Bilanz können wir eine zukunftsorientierte, gut durchdachte und konsensuale Spitalsreform vorlegen.“
LR Bernhard Tilg ÖVP
(Gesundheitslandesrat)
„In der Bilanz können wir eine zukunftsorientierte, gut durchdachte und konsensuale Spitalsreform vorlegen.“ LR Bernhard Tilg ÖVP
(Gesundheitslandesrat)
- Land Tirol

Kufsteiner Haus wird aufgewertet

Mehr Betten und mehr Überregionalität. VP-Landesrat Bernhard Tilg zeigte sich mit dem Abschluss des „Hausgesprächs" mit dem Kufsteiner Krankenhausverband äußerst zufrieden. Im Zuge der Spitalsreform Tirol Nordost soll Kufstein bis 2022 406 stationäre Betten erhalten, zusätzlich 18 tagesklinische Betten und acht ambulante Betreuungsbetten (dezeit 373 stationäre Betten und 12 tagesklinische Betten). Zusätzlich sind 15 Betten für die Übergangspflege geplant. Besonders erfreut sind der Ärztliche Direktor Primar Carl Miller und Verbandsobmann Rudolf Puecher darüber, dass nicht alle Betten für die Augenstation gestrichen wurden. So wird die Station mit vier stationären Betten und einer Tagesklinik weitergeführt. Laut Miller sei dadurch sichergestellt, dass fast alle Operationen durchgeführt werden können. Aufgestockt wird die Psychiatrie, sie hat künftig als Unterland-Schwerpunkt 35 Betten. Auch im Bereich Orthopädie und Traumatologie nimmt das KH Kufstein künftig eine überregionale Rolle ein. (wo)