Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.05.2019


Tirol

Land Tirol dehnt Bremse für Lkw aus: Spitze Ohren nach Maut-Ansage

Megastau sorgt für Nachschärfung bei Lkw-Dosiersystem. Weicht Bayern Position auf?

Und wieder einmal ging am Mittwoch zuerst auf der Inntal- (Bild) und dann auf der Brennerautobahn (fast) gar nichts mehr.

© zeitungsfoto.atUnd wieder einmal ging am Mittwoch zuerst auf der Inntal- (Bild) und dann auf der Brennerautobahn (fast) gar nichts mehr.



Innsbruck — Ein unerwarteter Lkw-Ansturm gepaart mit massivem Urlauberverkehr und Baustellen: Das hat am Mittwoch auf der Brenner- und Inntalautobahn zu einem Lkw-Megastau von der Europabrücke bis Kramsach zurück geführt. Gestern stauten sich die Pkw Richtung Süden.

Von 5 bis 10 Uhr war am Mittwoch die Lkw-Blockabfertigung bei Kufstein aktiv. Offenbar zu kurz. LH Günther Platter (VP) und LHStv. Ingri­d Felipe (Grüne) kündigten gestern prompt eine zeitliche Ausdehnung künftiger Dosiertage an. Notfalls wird auch eine ganztägige Lkw-Bremse nicht mehr ausgeschlossen. Vorerst wird geprüft.

Dass Bayern sich nun, wie berichtet, bezüglich einer Korridormaut gesprächsbereit zeigt, wertet Felipe als positives Zeichen. Käme hier vom Freistaat eine fixe Zusage, ließe Felipe sogar mit sich über die geplante Verschärfung des sektoralen Lkw-Fahrverbotes reden. Eine höhere Maut wäre das bessere Mittel.

Gespitze Ohren nach Maut-Ansage

Es sei nicht nur ein Stehsatz, vielmehr ein Indiz dafür, dass das bayerische Beharren gegen eine Umweltmaut sich langsam, aber sicher löse. Davon ist die für Verkehr zuständige LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) nach den jüngsten Ankündigungen aus dem bayerischen Staatsministerium für Verkehr überzeugt. Wie berichtet, zeigte man sich dort zwar ablehnend gegenüber den von Tirol geplanten Verschärfungen beim Nacht- und sektoralen Lkw-Fahrverbot, jedoch wolle man über die angedachte Korridormaut von München bis Verona reden.

Die Bayern widersprechen der Kritik, einer Einladung zu einer ersten Maut-Sondierung seitens der EU-Kommission Anfang Mai nicht nachgekommen zu sein. Vielmehr habe die Kommission das Gespräch kurzfristig abgesagt. Das bestätigt nun auch Felipe. Es sei hier offenkundig zu einem Kommunikationsproblem gekommen.

Die Gesprächsbereitschaft der Bayern hinsichtlich der Korridormaut will Felipe nun aufnehmen und in konkrete Verhandlungen gehen. Sollten die Bayern zu fixen Zusagen für die Korridormaut bereit sein, im Gegenzug aber das Aus für die Verschärfungen beim sektoralen Lkw-Fahrverbot fordern, wäre Felipe zu einem Kompromiss bereit. Die Umweltmaut hätte weit mehr Effizienz als das Sektorale, so Felipe. Ein Zugeständnis, das aber nicht das Nachtfahrverbot umfassen würde. Denn gerade dieses sei essenziell für die notwendige Verbesserung der Luftwerte, so Felipe.

Wie notwendig derweil entlastende Verkehrsmaßnahmen sind, zeigte sich am Mittwoch und teilweise auch gestern auf der Inntal- wie der Brennerautobahn. Obwohl am Mittwoch von 5 bis 10 Uhr die Lkw-Blockabfertigung bei Kufstein in Kraft war und der Rückstau rund 40 Kilometer bis in den bayerischen Raum zurückreichte, kam es ab den Mittagsstunden auch in Tirol zu einem Lkw-Megastau. Wie der Leiter der Verkehrspolizei, Markus Widmann, erklärte, waren hierfür ein plötzlicher Anstieg der Lkw-Fahrten, aber auch der Urlauberverkehr sowie die Baustellen auf der Europabrücke und der Terfener Brücke (samt Fahrbahnverengungen) ausschlaggebend. Dies führte dann zu einem Stau von der Europabrücke zeitweise bis nach Kramsach von einer Länge von bis zu 50 Kilometern.

Nun lässt das Land prüfen, inwieweit die Dosierbremse an solch neuralgischen Tagen zeitlich adaptiert und ausgedehnt werden kann. Dies beinhalte auch die Überlegung, notfalls die Blockabfertigung ganztägig aufrechtzuerhalten, wie Felipe erklärt. Vorerst gelte es aber den Mittwochs-Stau zu analysieren. LH Günther Platter kündigte zudem an, dass die Blockabfertigungen auch in den kommenden Wochen (Pfingsten, Fronleichnam) umfassend erfolgen werden. (mami)