Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.06.2019


Innsbruck-Land

Völser Straße: „Wir können nicht alles in 50er-Zonen umwandeln“

Anrainer fordern Tonnagelimit und Ausweitung von Tempo 50 auf der L 11 im Westen von Innsbruck – für das Land ist das nicht argumentierbar.

Tempo 50 (statt 70) westlich von der jetzigen Ortstafel ist aus Sicht der Verkehrsexperten des Landes nicht zu rechtfertigen. Weiter im Westen, ab der Kreuzung mit der Götzner Straße, kommt aber bald ein 50er.

© DomanigTempo 50 (statt 70) westlich von der jetzigen Ortstafel ist aus Sicht der Verkehrsexperten des Landes nicht zu rechtfertigen. Weiter im Westen, ab der Kreuzung mit der Götzner Straße, kommt aber bald ein 50er.



Innsbruck, Völs – Der Verkehrslärm an der L 11/Völser Straße im Südwesten von Innsbruck bleibt ein brisantes Thema: Auch die Ausweitung der Tempo-50-Beschränkung durch eine geringfügige Versetzung der Ortstafel Richtung Westen habe keine Verbesserung gebracht, klagen Anrainer im Bereich Klosteranger, Sieglanger und Mentlberg (die TT berichtete mehrfach). Ihre Forderungen bleiben aufrecht: eine deutliche Ausweitung der 50er-Zone nach Westen, bis zum Völser Bichl oder zum Tierheim Mentlberg, die Einführung eines Lkw-Tonnagelimits für diesen Abschnitt der L 11 – und eine Lärmschutzwand. 2017 hatte ein Lärmgutachten der Landesstraßenverwaltung für mehrere Häuser in der Klosterangerstraße leichte Überschreitungen der Plangrenzwerte festgestellt.

Die Anrainer bezweifeln zudem, ob die jüngsten Tempomessungen der Polizei das wirkliche Bild wiedergeben: Diese seien für die Verkehrsteilnehmer zu sichtbar – und sie hätten auch nicht bei der neuen Ortstafel stattgefunden, sondern dort, wo schon bisher der 50er galt, seien also nicht repräsentativ.

Im TT-Gespräch bemüht sich Oberst Markus Widmann, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei, das Gesamtbild zurechtzurücken: „Wir messen in ganz Tirol gleich, nach den Vorgaben des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen. Wir können nicht alle Regeln außer Kraft setzen, um zu gewünschten Ergebnissen zu kommen.“ Fakt sei, dass die Übertretungshäufigkeit im betreffenden Abschnitt der L 11 vergleichsweise „unauffällig“ sei, sagt Widmann: Seit 2017 seien bei 44 Messeinsätzen 67.000 Fahrzeuge kontrolliert worden – davon waren 3100 oder 4,6 Prozent zu schnell unterwegs. „In Innsbruck gibt es viele Straßen, wo dieser Wert zwischen zehn und 25 Prozent liegt.“

Tempomessungen ließen sich nie ganz „unsichtbar“ machen, ergänzt Widmann. „Wenn jemand aufmerksam fährt, dann sieht er das.“ Was aber den neu hinzugekommenen 50er-Bereich angehe, so sei dieser völlig offen einsehbar: „Wo sollte sich die Polizei da hinstellen?“

Die Kriterien für ein fixes Radargerät – eine weitere Forderung der Anrainer – seien angesichts der genannten Daten jedenfalls nicht erfüllt, stellt Widmann klar. Hinzu komme, dass auch ein Radarkasten „nur punktuell“ wirke, davor und danach werde abrupt gebremst bzw. beschleunigt. Und mehrere Radarkästen „in Serie“ aufzustellen, sei nicht möglich. Die Polizei werde aber in diesem Bereich weitermessen, verspricht er – „obwohl die Übertretungshäufigkeit niedrig und der Bedarf anderswo höher ist. Wir wollen zeigen, dass wir auf die Situation reagieren.“

Wie sieht es mit einer Tonnagebeschränkung aus? Für Bernhard Knapp, Vorstand der Abteilung Verkehrsrecht beim Land Tirol, ist eine solche nicht argumentierbar. „Wir haben keine Hinweise, dass es sich hier um eine Transitstrecke handelt oder dass es mehr Schwerverkehr gibt als an anderen Stadteinfahrten.“ Der Großteil der Lkw zähle zum Ziel- und Quellverkehr. „Ein Tonnagelimit würde also nur Ausweichverkehr produzieren.“ Dass viele Lkw zu schnell unterwegs seien, wie eine Anrainerin meinte, kann Widmann nicht bestätigen: Unter 3100 Temposündern waren 17 Lkw und 30 Busse.

Was die geforderte Ausweitung des 50ers angeht, habe man den gesamten Bereich von Sachverständigen bewerten lassen, sagt Knapp. „Es handelt sich um eine gut ausgebaute und übersichtliche Straße“, Tempo 50 auch westlich der neuen Ortstafel und des Siedlungsgebiets sei daher nicht zu rechtfertigen: „Sonst müssten wir alles in 50er-Zonen umwandeln.“

Zugleich kündigt Knapp jedoch an, dass weiter im Westen – konkret von der Kreuzung der L 11 mit der Götzner Landesstraße bis zum Autohaus Meisinger bei der Abzweigung Richtung Völser Ortszentrum – Tempo 50 verordnet werden soll. Dies soll bereits im Frühsommer in Kraft treten. Der Hauptgrund: Die Kreuzung mit der Götzner Landesstraße ist eine „Unfallhäufungsstelle“, rund fünf Mal pro Jahr kracht es hier. (md)