Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Bezirk Kufstein

Mittagstisch für Kinder: Kosten verderben Eltern in Kundl Appetit

Die Gemeinde Kundl will den Beitrag für den Mittagstisch in den Kindergärten und im Schülerhort anheben. Der Protest der Eltern und der Opposition bringt jetzt die SPÖ-Regierungsmannschaft ins Schwitzen.

Für das Mittagessen ihrer Kinder sollen Kundler Eltern mehr bezahlen.

© iStockphotoFür das Mittagessen ihrer Kinder sollen Kundler Eltern mehr bezahlen.



Von Wolfgang Otter

Kundl – Eigentlich war bereits alles im Gemeindevorstand beschlossen. Der Beitrag für das Mittagessen für die Kindergärten sollte samt Betreuungsaufwand auf fünf Euro pro Tag angehoben werden. Damit wäre er um einen Euro teurer als bisher. Diese fünf Euro fallen zusätzlich zur normalen Kindergartengebühr von 27 Euro pro Monat an. Natürlich würde auch der Preis für die Verköstigung bei der Ganztagsbetreuung steigen. Und der Essensbeitrag im Schülerhort wäre ebenso betroffen.

Der Auslöser für die neue Kalkulation sei der Umstand gewesen, dass das Altenwohnheim als Essenslieferant in das neue Pflegesatzmodell des Landes gefallen ist, wie BM Anton Hoflacher (SPÖ) erklärt. Damit war der Mittagessens-Tarif mit einem Mindestsatz von 7,15 Euro vorgeschrieben. Und dieser Betrag, so die erste Information aus Innsbruck, müsse weitergegeben werden. Da man für die Kindergärten und Horte nur den halben Preis veranschlagt hat, kam man samt zusätzlicher Beaufsichtigung auf die fünf Euro.

Dann allerdings gab es einen zweiten Brief aus Innsbruck und in dem war vermerkt, dass die Gemeinde sehr wohl das Essen für die Kinder subventionieren kann. Damit begann die politische Diskussion. Die Fraktionen Kundler Frauen und Volkspartei hatten die Preisanpassung nämlich vorerst mitgetragen, jetzt ziehen sie ihre Zustimmung zurück.

So durften sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung die Mandatarinnen und Mandatare über einen regen Besuch freuen. Gekommen waren Eltern, die ihren Unwillen über die Gebührenerhöhung kundtun wollten. Und Vizebürgermeisterin Barbara Trapl (Volkspartei) hatte Listen mit 60 Unterschriften gegen die Erhöhungen dabei.

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Es wurde erwartet, dass über den in der vorangegangenen Sitzung von VP und Kundler Frauen eingebrachten Antrag diskutiert wird. Darin wird die Beibehaltung des Tarifs verlangt. „Er wurde erst vor wenigen Monaten von 3,50 auf vier Euro angehoben – eine weitere Anhebung auf fünf Euro innerhalb so kurzer Zeit kann nicht im Sinne einer familienfreundlichen Preispolitik sein“, hieß es. Ebenso fordern beide Fraktionen die Beibehaltung des Preises für Essen auf Rädern. „Wir möchten weiters festhalten, dass der Vorstand zu diesem Thema in der letzten Sitzung nicht korrekt unterrichtet worden ist.“

Behandelt wurde der Antrag aber dann nicht. Die SPÖ will nämlich eine neue Kostenberechnung abwarten. Für die Volkspartei überflüssig: Der Gemeinde müsse „ein Kind schon einen Euro wert sein. Wir reden da von maximal hundert Euro am Tag“, appellierte Trapl an Bürgermeister Hoflacher und forderte eine rasche Rücknahme des Beschlusses noch vor dem Sommer. Auch Peter Embacher von der ÖVP plädierte dafür, „ganz unabhängig davon, was das Essen kostet, den Preis stabil zu halten“. Für BM Anton Hoflacher sei noch ausreichend Zeit, diese Frage zu entscheiden, wenn die Berechnung vorliegt.

Noch einen Streitpunkt gibt es in Sachen Kinderbetreuung. Das (private) Ekiz führt eine Gruppe mit Kindern über drei Jahre, während im gemeindeeigenen Kindergarten eine Kleinkindergruppe eingerichtet wurde. Künftig will BM Hoflacher, dass das Ekiz nur noch Kinder bis drei Jahre betreut. Nicht alle Eltern sind mit der drohenden Gruppenauflösung einverstanden. Auch VP und Kundler Frauen nicht.