Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Tirol

LH Platter: „Die Frächterlobby ist am Holzweg“

LH Platter kritisiert italienischen Verband scharf. EUSALP-Mobilitätsgruppe präzisiert Drei-Jahres-Ziele.

Tirol will die Lkw-Blockabfertigung bei Kufstein zeitlich ausdehnen. Derzeit läuft eine Prüfung – die italienischen Frächter schäumen.

© jakob-gruber.atTirol will die Lkw-Blockabfertigung bei Kufstein zeitlich ausdehnen. Derzeit läuft eine Prüfung – die italienischen Frächter schäumen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Das Verkehrsministerium wusste von nichts. Und auch im Amt der Tiroler Landesregierung sorgte die Ankündigung eines „Transitgipfels“ am 19. Juni in Rom mit Vertretern des österreichischen Verkehrsministeriums durch den Präsidenten des italienischen Frächterverbands Unione Trasporti gestern kurzzeitig für baffes Staunen. Der Infostand darüber war gleich null. Antonio Paolettis Ansage entpuppte sich jedoch (vorläufig) als Luftblase. Das Dementi aus dem Ministerium erfolgte umgehend via APA.

Dass die italienischen Frächter partout die Verschärfung bestehender Regelungen (Lkw-Blockabfertigung) und geplante Verbote (Nacht- und sektorales Fahrverbot) nicht einsehen wollen und dagegen Sturm laufen – dafür hat LH Günther Platter (VP) kein Verständnis, wie er der TT versichert: „Tirol wird seinen Kampf gegen die Transit-Lawine konsequent fortsetzen.“ Eine Konsequenz, die freilich Transitforumsobmann Fritz Gurgiser zuletzt stets als mangelhaft scharf kritisiert hat. Er fordert ein rascheres Handeln der Landesregierung. Für Platter steht jedenfalls fest, dass „die italienische Frächterlobby auf dem Holzweg ist“.

Für NEOS-Landtagsabgeordneten Andreas Leitgeb verkennen die italienischen Frächter den Ernst der Lage in Tirol. Es gehe längst nicht nur um die Umweltbelastung, auch der Lärm sowie die Verkehrs- und Versorgungssicherheit stünden im Fokus.

„Der Arbeitsplan zeigt eindeutig, dass wir in Tirol mit unseren Forderungen unterstützt werden.“
Ingrid Felipe
(LHStv., Grüne)
„Der Arbeitsplan zeigt eindeutig, dass wir in Tirol mit unseren Forderungen unterstützt werden.“ Ingrid Felipe
(LHStv., Grüne)
- Thomas Boehm / TT

Indes traf sich am Dienstag in Innsbruck die Mobilitätsgruppe (AG4) der EUSALP. In selbiger hat die Euregio mit Tirol, Südtirol und dem Trentino weiterhin den Vorsitz. An die 30 Teilnehmer debattierten aus diesem Anlass die Zielsetzungen für die kommenden drei Jahre. Allen voran will man an einer Harmonisierung der Mautpreisgestaltung für alle alpenquerenden Pässe (Straße und Bahn) festhalten. Steuern auf Treibstoff (Straße) und Elektrizität (Schiene) sollen länderübergreifend auf einheitliche Niveaus angepasst werden. In die Mautpreisgestaltung selbst sollen – im Rahmen der noch im Europäischen Rat zu verabschiedenden Reform der Wegekostenrichtlinie – externe Kosten und Aufschläge für sensible Alpenregionen miteinfließen. „Der vorgestellte Arbeitsplan zeigt eindeutig, dass wir in Tirol mit unseren Forderungen unterstützt werden“, bilanzierte die für Verkehr zuständige LHStv. Ingrid Felipe (Grüne). Vorgestellt wurde im Rahmen des AG4-Treffens auch die Vision des „Alpenkreuz-Bahnprojektes Terra Raetica“ mit dem Fernpassbahntunnel als Herzstück.

Wie erhofft, wird Neo-EU-Abgeordnete Barbara Thaler (VP) künftig im Verkehrsausschuss sitzen.

Lkw-Transit: Deutliches Plus im Mai

Innsbruck — Der abgelaufene Monat Mai war im heurigen Jahr der bis dato schwerverkehrsintensivste Mona­t. Das geht aus den gestern von der Asfinag für die Hauptmautstelle Schönberg auf der Brennerautobahn veröffentlichten Frequenzzahlen hervor. Demzufolge fuhren etwas über 222.000 Transit-Lkw über den Brenner — ein Plus zum Vorjahresmonat von 7,18 Prozent. Das ist die höchste monatliche Zuwachsrate im laufenden Jahr. Der Transitzuwachs im Schwerverkehr liegt somit in den ersten fünf Monaten um 1,68 Prozent höher als im selben Zeitraum des Vorjahres. Der Gesamtverkehr (alle Fahrzeugkategorien) an der Hauptmautstelle ging im Mai jedoch sogar um 13 Prozent zurück — von Jänner bis Mai wurde ein Minus von rund 5,3 Prozent verzeichnet. (mami)