Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


Kufstein

Belohnung für mehr Integration wird in Kufstein Thema

Kufsteiner beschäftigen sich mit heißem Thema: Förderungen sollen vom Integrationswillen der Migranten abhängig sein.

Deutschkenntnisse sind der Schlüssel für Integration.

© Julia HammerleDeutschkenntnisse sind der Schlüssel für Integration.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Der zuständige Gemeinderatsausschuss wird sich mit dem Thema beschäftigen, ob Förderungen vom Integrationswillen von Migranten abhängig gemacht werden sollen. Mit dieser Ankündigung bei der Präsentation des neuen Intergrationskonzeptes bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend ließ Birgit Obermüller (Parteifreie), Obfrau des Gremiums, aufhorchen. Es gebe bereits Städte, in denen dies geschehe. Nur sei es ein schwieriges Thema, räumte sie ein. Und letztlich müsse darüber der Gemeinderat entscheiden. Mit der Vorlage an den Ausschuss entspreche sie einem Wunsch, der im Kufsteiner Stadtrat geäußert worden sei, wie sie der TT gegenüber erklärte.

„Früher wurde sofort von Ausländerfeindlichkeit geredet, wenn man diese Problematiken angesprochen hat. Mittlerweile ist es gesellschaftsfähig geworden“, erklärte Obermüller bei der Sitzung weiters. So melden sich nun Leute zu Wort, „die sich wirklich damit, auch international, auseinandergesetzt haben und die sagen: Wir sind gefordert, unsere Wertvorstellungen einzufordern, nicht auf diese zu verzichten und sie aufzugeben. Und manche sagen, dass wir möglicherweise schon zu viel Toleranz zeigen“, führte die Obfrau weiters aus.

Obermüller, die auch Volksschuldirektorin ist, berichtete auch, dass man im Bildungsbereich starke Unterschiede unter Migranten bemerke. „Es gibt Eltern, die sich mehr für Integration einsetzen, und es gibt Familien, die bereits in der dritten Generation hier sind und kein Interesse daran haben.“

Das Integrationskonzept enthält zahlreiche Vorschläge bzw. Handlungsfelder, die aufgrund von Interviews mit so genannten Stakeholders, also Personen, die ein Interesse am Projekt haben, entstanden sind. Das sei auch das Besondere, wie Obermüller von Fachleuten bestätigt wurde, „weil hier Menschen dazu befragt wurden“. Wobei Kufstein bereits vieles umgesetzt habe. Beginnend bei der Sprachausbildung bis hin zu der von Obermüller angesprochenen Wertevermittlung.

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Das Konzept sollte jetzt auf alle Fälle in allen Gemeinderatsausschüssen seinen Niederschlag finden. Wobei man nicht alle Vorschläge auch umsetzen müsse. Die blieben bei der Sitzung vorerst den Mandataren vorbehalten, für die Öffentlichkeit wird das Papier in rund eineinhalb Monaten auf der Stadthomepage einsehbar sein.

Zwei weitere Punkte wurden allerdings bereits bei der Sitzung öffentlich: Sie behandeln einen muslimischen Friedhof und einen muslimischen Andachtsraum im Krankenhaus Kufstein.

Vor Ersterem warnte ÖVP-Vizebürgermeister Hannes Rauch. „Ich und meine Fraktion sehen das sehr kritisch. Es gibt auch keinen rein katholischen Friedhof, wir haben eine Trennung von Staat und Kirche“, erinnerte Rauch. Was den Andachtsraum anbelangt, sei der Gemeindeverband Bezirkskrankenhaus Kufstein gefordert. Obermüller konterte: Es bestünde derzeit noch überhaupt kein Interesse an einem reinen muslimischen Friedhof.




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