Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


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Stadt Schwaz verlangt Rückbau von Wohnhaus

Anrainer wollen eine nicht genehmigte Wohnung entdeckt haben und befürchten nun Gesetzesumgehung. Bauherr weist alle Vorwürfe zurück.

Im Schwazer Ortsteil Freundsberg hat die Gemeinde nun einen Rückbau veranlasst. Denn plötzlich wurden aus fünf Wohnungen sechs.

© FankhauserIm Schwazer Ortsteil Freundsberg hat die Gemeinde nun einen Rückbau veranlasst. Denn plötzlich wurden aus fünf Wohnungen sechs.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Manfred Moser kann nur mehr den Kopf schütteln. Und vielen seiner Nachbarn im Schwazer Ortsteil Freundsberg geht es gleich. Denn dort ist ein Wohnbau entstanden, bei dem nach ihrer Ansicht so manches schiefgelaufen sei.

„Wenn man so was mitbekommt, fühlt man sich verarscht. Wir sehen nicht ein, dass einer alle Gesetze umgeht“, ärgert sich Moser. Auf dem Grundstück nebenan ist ein Wohnbau mit fünf Wohnungen entstanden. Eine davon für den Eigentümer selbst – Thomas Jäger. Er ist nicht nur Bauherr, sondern führte den Bau mit seinem Unternehmen auch aus. Während der Bauphase reichte dann einer der Nachbarn eine Anzeige ein. Weder Höhen noch Abstände seien eingehalten worden. Der Bau wurde für knapp ein Jahr eingestellt. Nach einer zweiten Einreichung mit einigen Änderungen konnte weitergebaut werden. Bei einem Gespräch mit den Anrainern habe BM Hans Lintner zugesichert, dass man ein Auge auf den Bau haben werde.

Doch die Anrainer üben Kritik. „Die Kontrolle hat da total gefehlt. Für uns ist so etwas enttäuschend“, sagt Moser. Für Nachbarin Susanne Noggler habe vor allem die Kommunikation auf Augenhöhe gefehlt. Es gebe viele Kleinigkeiten und mündliche Zusagen, die nicht eingehalten worden seien.

Doch das Fass zum Überlaufen brachte folgender Umstand: Laut Plan waren fünf Wohnungen vorgesehen, doch gebaut wurden sechs – heißt es aus dem Stadtbauamt. Auf TT-Anfrage beharrt Thomas Jäger aber darauf, nur fünf Wohnungen gebaut zu haben. Laut Stadtbaumeister Gernot Kirchmair hat man dem Bauherrn mündlich mitgeteilt, dass er den rechtmäßigen Zustand laut Plan wiederherstellen müsse. „Dafür müssen wir ihm laut Bezirkshauptmannschaft mindestens vier Monate Zeit geben“, sagt Kirchmair. Der Bescheid solle ihm demnächst ins Haus flattern.

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Eine Wohnung mehr oder weniger macht viel aus: Mit fünf Wohnungen ist es ein Wohnhaus, mit sechs eine Wohnanlage. Dort gelten andere Bestimmungen, z. B. brauche man weitere Räume für Räder und Kinderwägen.

„Man bekommt das Gefühl, dass manche gleicher seien als andere“, meint Günther Noggler. Über die Anliegen der Anrainer wird laut ihm einfach drübergefahren. Auch Ernst Kluckner hat das Gefühl, dass jeder bauen könne, wie er wolle: „Die Stadt hat gesagt, dass man uns hilft. Aber passiert ist nichts.“

Für Ärger unter den Nachbarn sorgt nun die Befürchtung, dass der Bauherr aus einer Wohnung ein Büro machen könnte. „Das sind aber eindeutig alles Wohnungen“, sagt Noggler. Für Moser wäre es ein schlechter Witz, „wenn man die Luxuswohnung des Eigentümers jetzt als Bürofläche genehmigen würde“. Laut Kirchmair wäre die Nutzungsänderung möglich. BM Hans Lintner wäre davon wenig begeistert: „Das müsste man prüfen lassen. Aber eigentlich wollen wir ein solches Vorgehen verhindern.“ Jäger betont auf TT-Anfrage: „Ich habe Wohnungen und keine Büros gebaut.“ Mehr wollte er nicht sagen.




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