Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.06.2019


Exklusiv

Personalknappheit in Tirol: Leere Heimbetten trotz Warteliste

Die Volksanwaltschaft ortet prekäre Personalknappheit in Tiroler Heimen, die sich negativ auf die Bewohner auswirkt. In einzelnen Heimen stießen die Kommissionen trotz Wartelisten auf Aufnahmestopps und leere Bettenstationen.

Die Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen ist eine zentrale Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialpolitik.

© APADie Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen ist eine zentrale Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialpolitik.



Von Peter Nindler

Innsbruck — Unter zu wenig Personal leidet vielfach die Betreuung von Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Menschen, die in Betreuungseinrichtungen versorgt oder in Justizanstalten eine Strafe absitzen müssen bzw. in Polizeianhaltezentren in Gewahrsam genommen werden, haben laut der präventiven Menschenrechtskontrolle der Volksanwaltschaft kaum Chancen, sich Gehör zu verschaffen. Weil sie nur einen eingeschränkten Kontakt zur Außenwelt haben. „Sie sind in hohem Maße dem Wohlwollen des Personals der jeweiligen Einrichtung ausgeliefert oder zumindest in einer abhängigen Position", heißt es in dem vorliegenden Kontrollbericht für 2018.

Kern des „präventiven Mandats" ist es, diese Gefährdungen möglichst frühzeitig zu erkennen und Missstände vermeiden zu helfen, bevor sie auftreten. So auch in Tirol. In einer Tiroler Einrichtung wurde ein kompliziertes Liftrufsystem, das eine unzulässige, nicht gemeldete freiheitsbeschränkende Maßnahme gegenüber allen Bewohnern einer Demenzstation bewirkte, unmittelbar nach dem Besuch der zuständigen Kommission der Volksanwaltschaft behoben.

In einem anderen Heim wurde noch während der Kontrolle ein ruhender Nachtdienst, ein Spätdienst bis 21 Uhr und eine Verlegung des Abendessens um 15 Minuten zugesagt. Hauptproblem in allen Pflegeeinrichtungen ist die Personalknappheit. In einzelnen Heimen, u. a. in Tirol, stießen die Kommissionen trotz Wartelisten auf Aufnahmestopps und leere Bettenstationen.

Zu wenig Personal führt auch zu massivem Stress, unter dem die Heimbewohner ebenfalls massiv leiden: „In einem Tiroler Pflegeheim wirkte das Personal einer Demenzstation gestresst; in einem Stockwerk saßen Männer und Frauen jeweils alleine an einem Tisch, führten keine Unterhaltung und starrten bloß ins Leere", kritisiert die Volksanwaltschaft. Es gibt aber auch positive Beispiele wie regelmäßige Pflegevisiten unter Einbindung der Bewohner oder eine Dokumentation darüber, ob die Betroffenen an Aktivitäten teilnehmen. „Dadurch können psychische und physische Probleme rascher erkannt werden", betont die Volksanwaltschaft.

Als Meilenstein in der Fortentwicklung der bisherigen Angebote wird die neue Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall bewertet. Die personelle Ausstattung sei sehr gut, moderne Therapiekonzepte stünden im Vordergrund, so das Resümee.

Weniger modern, als vielfach veraltert präsentierte sich der Volksanwaltschaft das Polizeianhaltezentrum Innsbruck: Ausreichend große Waschbecken würden in den Zellen fehlen, die überhaupt baufällig seien. In Ermangelung baulicher Maßnahmen waren 2018 Tischbesuche im Anhaltezentrum nicht möglich. Die Kellerverwahrungsräume von mehreren Polizeidienststellen in Tirol entsprechen ebenfalls nicht den menschenrechtlichen Standards.