Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.06.2019


Osttirol

Neue Erstaufnahme am BKH Lienz geplant

Die Gesundheitsreform verlangt nach weniger vollstationärer Versorgung. Das Konzept für Lienz sieht eine neue zentrale ambulante Erstversorgungseinheit vor.

Aus der unfallchirurgischen Ambulanz soll eine zentrale ambulante Erstversorgungseinheit werden.

© Christoph BlassnigAus der unfallchirurgischen Ambulanz soll eine zentrale ambulante Erstversorgungseinheit werden.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Es handle sich nicht um eine Zäsur, nach der etwas völlig anderes als die bisherige Versorgung stehen wird, versichert Martin Schmidt, ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses (BKH) Lienz. Im Rahmen der Präsentation der geplanten Spitalsreform in Osttirol mit Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Verbandsobmann Andreas Köll tastete sich Schmidt vage an die bevorstehenden Veränderungen im Krankenhaus heran.

Neu geplant in Lienz ist jedenfalls eine zentrale ambulante Erstversorgungseinheit, die die bestehende unfallchirurgische Ambulanz ersetzen soll. An sieben Tagen der Woche würden dort rund um die Uhr allgemeinmedizinische Behandlungen durchgeführt. LR Tilg erwartet sich von der Reform – neben einer Kostendämpfung für die Spitalserhalter durch die Verteilung medizinischer Leistungen auf ein Netzwerk außerhalb der Spitäler – auch Vorteile für die Bevölkerung: „Diese neue Anlaufstelle wird für die Patienten kurze Wartezeiten bieten.“ Die Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern sei in Österreich generell zu hoch, hier wolle man ansetzen.

Am Beispiel Herzinsuffizienz lasse sich in Nordtirol nachweisen, dass sich die stationäre Wiederaufnahmerate von Patienten um die Hälfte verringern lasse, erklärte der Gesundheitslandesrat. Voraussetzung dafür sei eben die Kooperation des Krankenhauses mit niedergelassenen Fachärzten und Allgemeinmedizinern sowie der häuslichen und mobilen Pflege. Im nächsten Jahr soll das Konzept auch in Osttirol starten, wenn es nach Tilg geht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es im niedergelassenen Bereich tatsächlich ausreichend Fachärzte gibt, die die notwendigen Untersuchungen in ihren Praxen überhaupt durchführen können. Mediziner äußerten bereits Zweifel, dass in Lienz solche Kapazitäten bestehen. Neue Ärzte anzusiedeln sei ohnehin schwieriger denn je.

Wie genau die Erstversorgungseinheit in Lienz aussehen könnte, darauf war zuletzt noch keine Antwort zu bekommen. Köll erklärte, man werde jedenfalls baulich reagieren müssen und die bestehenden Ambulanzen neu organisieren. Die erste Beurteilung des ankommenden Patienten könnten künftig entweder zwei ausgebildete Pflegekräfte oder Ärzte übernehmen. Köll: „Diese Dinge sind noch nicht entschieden.“

Schmidt erwartet jedenfalls eine organisatorische Weiterentwicklung der bestehenden Leistungen im BKH Lienz, obwohl faktisch ein Abbau von 66 systemischen Betten bis zum Jahr 2025 bevorsteht. Die Qualität der ersten Patientenbeurteilung solle durch eine frühe fachliche Differenzierung im neuen ambulanten Erstaufnahmezentrum jedenfalls deutlich steigen. Die hochspezialisierten Einzelambulanzen sowie das Wissen und Können dort sollen als Struktur erhalten bleiben.




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