Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


SPÖ Tirol

Nationalratswahl soll EU-Ergebnis vergessen lassen

Für die Bundeswahl im Herbst fordert SP-Chef Georg Dornauer mehr Engagement aus den eigenen Reihen. Er selbst zieht zufrieden (s)eine 100-Tage-Bilanz.

Die Rolle des Landesparteichefs der SPÖ bekleidet Dornauer erst seit rund 100 Tagen. „Ärmel hoch“ lautet seine Devise für die NR-Wahl.

© SPÖ TirolDie Rolle des Landesparteichefs der SPÖ bekleidet Dornauer erst seit rund 100 Tagen. „Ärmel hoch“ lautet seine Devise für die NR-Wahl.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Allzu viele Fehler habe er in seinen ersten 100 Tagen als Chef der Tiroler Roten nicht vorzuweisen. Außer vielleicht den einen oder anderen „schnellen Sager“ zu viel oder das mitunter (zu) hohe Anfangstempo. Dieses Zeugnis stellte sich gestern SPÖ-Landesparteivorsitzender Georg Dornauer aus. Externe Kritiker werden das wohl kaum unterschreiben – parteiintern vielleicht auch nicht eine jede Genossin oder ein jeder Genosse. Rote Turbulenzen, die Dornauer jetzt aber für beendet erklärt: „Es ist alles eitel Wonne.“

Wiewohl der nächste Prüfstein für den Neo-Chef bereits wartet – die Nationalratswahl im Herbst. Dornauer sieht selbige – nach der missglückten EU-Wahl – als „zweite Chance“. Und (auch) an dieser wolle er sich messen lassen. Wie berichtet, wollte Dornauer, zugleich Sellrainer Bürgermeister, der Bundespartei das größte Plus aller Landesorganisationen zum Geschenk machen. Geworden ist es bei der EU-Wahl ein Minus.

Auf der Suche nach Gründen für diese Niederlage habe man „Schwachstellen mit roten Verantwortungsträgern ausfindig gemacht“, so Dornauer gestern: „Es gibt Orte von Lienz bis nach Landeck – in denen wir Funktionsträger haben –, wo ich nicht zufrieden sein kann.“ Ob sich diese Kritik dezidiert an die Lienzer Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete sowie Dornauers Amtsvorgängerin Elisabeth Blanik richtet, umschifft Dornauer wie folgt: „Jeder, der ein Minus hatte, muss sich angesprochen fühlen.“

Dornauer selbst will sich weder auf einen Platz noch auf eine Prozentzahl für die Nationalratswahl – landes- wie bundesweit – festlegen, nur so viel: „Wir tun alles, um Wahlen zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass wir mit einem stolzen Ergebnis in mögliche Koalitionsverhandlungen gehen können.“

Wie berichtet, wird parteiintern bis Montag fix sein, wer roter Landes-Spitzenkandidat wird. Dornauer geht davon aus, dass dies wiederum Nationalrätin Selma Yildirim sein wird. Im Wahlkreis Innsbruck-Land/Schwaz kündigt der Parteichef die Wiederauflage der Stichwahl 2017 zwischen NR Max Unterrainer und Gewerkschafter Bernhard Höfler an.

Thematisch lobte Dornauer gestern das „Gemeindeentlastungspaket“, sieht aber unter anderem in der Spitalsreform und der Transitfrage viele schwarz-grüne Fehler.