Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Bezirk Kufstein

Wirbel um ÖBB-Großbaustelle in Angath: Einigkeit zerschellte an Ausschuss

Teils turbulente Sondersitzung zum Thema ÖBB-Großbaustelle in Angath. Einig war man sich, dass man sie in der Form nicht will. Über Einsetzung eines Ausschusses zur Verhinderung entstand heftiger Streit.

Gespannte Stimmung im Sitzungssaal bei der Diskussion über die Großbaustelle.

© OtterGespannte Stimmung im Sitzungssaal bei der Diskussion über die Großbaustelle.



Von Wolfgang Otter

Angath – Man war sich einig und trotzdem wurde gestritten. „Das war ein Politikum“, bilanziert daher ein Zuhörer bei der Sondersitzung des Angather Gemeinderats am Dienstagabend. „Die sind sich nicht besonders einig“, meinte ein anderer. „Aber zumindest ist das Problem beim Gemeinderat angekommen, wenn ich etwas Positives sagen will“, meinte ein anderer.

Das Problem heißt Großbaustelle der Österreichischen Bundesbahnen für den Tunnel des dritten und vierten Gleises Richtung Brennerbasistunnel. Bis zu acht Hektar Manipulationsfläche sind nötig, nur wenige Meter vom Siedlungsgebiet entfernt. Zwei Millionen Kubikmeter Material werden dabei ausgegraben und der Großteil mit den Lkw über die Landesstraße in Richtung Angerberg transportiert, wo damit Gräben aufgefüllt werden. Bis zehn Jahre kann diese Großbaustelle bestehen, gearbeitet wird rund um die Uhr.

„Das hält Angath nicht aus“, war der Tenor im Gemeinderat. Die Sondersitzung hatte die Liste „Zukunft Angath“ verlangt und sie legte auch einen Antrag vor, laut dem Bürgermeister Josef Haaser aufgefordert wird, alles zu unternehmen, damit die Baustelle für die Anrainer und die Gemeinde in einem erträglichen Maß gehalten wird. „Wir sind keinesfalls gegen den Bau des Tunnels“, stellte GV Martin Wimpissinger klar. Die Liste erntete auch ein einstimmiges Ja für den Antrag. „Wir wären ja Psychopathen, wenn wir nicht zustimmen würden“, meinte Vizebürgermeister Manfred Wimpissinger (Heimatliste). Und BM Josef Haaser (Heimatliste) konnte bereits von einem Besuch der Österreichischen Bundesbahnen am Dienstagvormittag berichten. „Die ÖBB haben mitgeteilt, dass die Pläne so zur UVP eingereicht werden, aber danach können wir darüber reden“, meinte Haaser. Die Aufforderung an den Bürgermeister zu verhandeln, war übrigens bereits zuvor im Gemeindevorstand beschlossen worden.

Warum waren also die Angather bei der Sitzung unzufrieden? Es ging darum, wie sich Angath auf die Auseinandersetzung vorbereiten soll. Und da kam es dick. Vize-BM Wimpissinger warf den Ausschussobleuten Thomas Osl und Josef Lettenbichler vor, sich bisher nicht um das Thema zu kümmern. Beide gehören ebenfalls zur Heimatliste. Was Osl zum Kommentar veranlasste: „Ich gehöre nicht zur Opposition.“

Während ein Teil der Heimatliste und die Zukunft Angath das Thema an einen bestehenden Ausschuss (Verkehr oder Umwelt) anhängen wollte, forderte Osl in einem dringlichen Antrag, ein eigenes Gremium damit zu befassen. Er kündigte andernfalls sogar seinen Rücktritt als Verkehrsausschussobmann an, „ich habe leider nicht die Zeit, mich darum zu kümmern“. Martin Wimpissinger argumentierte mit dem Zeitfaktor, „das dauert viel zu lange, bis der Ausschuss zu arbeiten beginnt“. Osl hatte auf die Erfolge der bisherigen Sonderausschüsse hingewiesen.

Die Diskussion führte sogar zu einer Sitzungsunterbrechung. Letztlich stimmten alle Gemeinderäte für den Ausschuss. Ein gutes Bild nach außen habe man nicht abgegeben, meinte mancher Gemeinderat. In diesem Punkt wurde ihnen vor dem Sitzungssaal von einigen Zuhörern Recht gegeben.




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