Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Exklusiv

Land bewahrte WM-Gesellschaft vor Insolvenz

Die Ausfinanzierung der Nordischen WM in Seefeld mit 30,7 Mio. Euro wird zum Kraftakt. Schließlich musste das Land schon im Vorfeld die Insolvenz der WM-Gesellschaft abwenden.

Die Nordische WM war ein großer Image-Erfolg für Tirol und Seefeld. Doch die Mehrkosten sorgen jetzt für massive Nachwehen.

© APADie Nordische WM war ein großer Image-Erfolg für Tirol und Seefeld. Doch die Mehrkosten sorgen jetzt für massive Nachwehen.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Seefeld – 2,7 Mio. Euro betragen die Mehrkosten, die von Land, Bund und Gemeinde Seefeld finanziert werden müssen. Wer wie viel zahlen wird, steht noch nicht fest. Doch das ist nicht alles. Der größte Unsicherheitsfaktor in den Zahlenspielereien ist der Bund. Der hat ursprünglich einen Zuschuss von 10,6 Mio. Euro zugesagt. Doch dieser Betrag bezog sich auf eine Investitionssumme von 27 Mio. Euro. Nur diese hat sich 2017 auf 28 Mio. Euro erhöht.

Wie es in einer Stellungnahme an den Landesrechnungshof heißt, musste das Land damals für ausstehende Förderungen des Bundes einspringen, um eine drohende Insolvenz der WM-Gesellschaft zu vermeiden und damit auch die Abwicklung der Bauten für die erforderlichen Anlagen in Seefeld zu gewährleisten. Zugleich bürgte das Land für einen weiteren Millionenkredit.

Mündlich wurde danach vereinbart, dass Bund und Land je 40 Prozent der Kosten übernehmen; also nicht 10,6, sondern 11,2 Mio. Euro. Der Rest entfällt auf die Gemeinde Seefeld. Deshalb ist die Landesregierung nicht gerade erbaut über die neuerliche Kostensteigerung auf 30,7 Mio. Euro. Zum einen muss sie noch einmal nachschießen und darüber hinaus den Bund nicht nur davon überzeugen, seinen Teil ebenfalls beizutragen, sondern auch, dass er die fehlenden 600.000 Euro auf die 11,2 Mio. Euro begleicht.

Dem nicht genug: Der Bund hat mit der Bergisel Betriebsgesellschaft (ÖSV) als Betreiber der Innsbrucker Bergiselschanze für die Nordische WM einen eigenen Fördervertrag für Adaptierungen geschlossen. 500.000 Euro sind geflossen, die Umbauarbeiten haben rund 1,2 Mio. Euro betragen. Allerdings: Der Bund rechnet diese Subventionen in den gesamten Fördertopf für die WM-Infrastruktur in Seefeld ein. Also betragen die finanziellen Begehrlichkeiten von Seefeld gegenüber dem Bund schon jetzt 1,1 Mio. Euro – noch ohne die gewünschte Beteiligung an den Mehrkosten von 2,7 Mio. Euro.

Liste-Fritz-Mandatar Markus Sint kritisiert diesen schlampigen und saloppen Umgang mit dem Geld der Tiroler Steuerzahler. „Es untergräbt die Glaubwürdigkeit des Sportlandes Tirol und schadet dem Sport.“ Es sei auch nicht zu akzeptieren, dass die Steuerzahler auf den Kosten und Mehrkosten für die Nordische Ski-WM sitzen bleiben würden und der private Verein ÖSV als Veranstalter der WM mit einem Gewinn abrechnet. „Die Kosten werden sozialisiert, die Gewinne privatisiert“, empört sich Sint. Und zusammen mit der Rad-WM müssten mehr als fünf Mio. Euro an Mehrkosten innerhalb eines Jahres für Sportgroßveranstaltungen bezahlt werden.

ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner weist die Kritik am Gewinn für den ÖSV zurück. „Dafür finanzieren wir ein Jahr Damen-Skispringen und die Vorbereitung der Nordischen Kombinierer.“