Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Innsbruck-Land

Gemeinsam statt einsam nur dann, wenn’s Vorteile bringt

Am Montag beginnt der Stubaier Talmanager seine Arbeit, angestellt wird er vom Wipptal. Dafür gibt es eine Erklärung. Die gefällt aber nicht allen.

Das Stubaital am Fuße der Serles und das Wipptal (links im Bild beginnend) wollen zusammenrücken.

© Denise DaumDas Stubaital am Fuße der Serles und das Wipptal (links im Bild beginnend) wollen zusammenrücken.



Von Denise Daum

Schönberg, Steinach a. Br. – Acht Monate sind vergangen seit dem historischen Fünfergemeinderat mit allen Stubaier Orten, bei dem einstimmig die Installierung eines so genannten Talmanagers beschlossen wurde. Eine Person, die sich um die ebenfalls an diesem Abend festgelegte gemeinsame Entwicklung des Tales kümmern soll. Acht Monate später ist dieser Manager nun gefunden und tritt am Montag seinen ersten Arbeitstag an.

Angestellt ist er allerdings beim Regionalmanagement Wipptal. Dieser Kniff hat mehrere Gründe. Der Talmanager soll nämlich auch die geplante gemeinsame Bewerbung des Stubai- und Wipptals als Leaderregion für die Periode ab 2022 vorbereiten. Wie berichtet, wollen die Stubaier Teil des EU-Förderprojekts zur Entwicklung des ländlichen Raums werden. Die Wipptaler sind schon länger dabei. Die Anstellung über das bestehende Regionalmanagement hat den Vorteil, dass es dafür zusätzliche Förderungen gibt. Den Rest der Kosten übernimmt der Planungsverband (PV) Stubai, wie Schönbergs Bürgermeister und PV-Obmann Hermann Steixner versichert. „Das kostet die Wipptaler nichts.“ Steixner räumt ein, dass der Spagat für den „Projektmitarbeiter“, wie er in der Ausschreibung genannt wurde, nicht ganz einfach wird. Der Großteil seiner Tätigkeit soll sich auf den Stubaier Regionalentwicklungsprozess beziehen. „Es ist schon auch ein Experiment. Aber ich bin zuversichtlich, dass es funktioniert.“

Ähnlich sieht das der Wipptaler PV-Obmann Alfons Rastner. Wenngleich auch er – ebenso wie die TT – den Unmut über diese Situation von so manchen Wipptalern gehört hat. Der Tenor: Man fühle sich benutzt. „Ja, ich habe auch Mails mit negativen Reaktionen bekommen. Es besteht die Angst, dass das Wipptal unter die Räder kommt. Aber das ist Blödsinn. Ich halte das für kleinkariert“, sagt Rastner.

Offizieller Chef des neuen „Projektmitarbeiters“ ist der Obmann des Regionalmanagements Wipptal, Steinachs Vizebürgermeister Thomas Stockhammer. Für ihn ist eine gemeinsame Bewerbung der beiden Täler für die kommende Leaderperiode keineswegs in Stein gemeißelt. Der neue Mitarbeiter soll „erst einmal gemeinsame Schnittstellen finden“. Die sieht Stockhammer vor allem in den Bereichen Mobilität, Soziales und Gesundheit. „Ich sehe das schon als Chance. Wenn es für uns im Wipptal aber keine Vorteile und keinen Mehrwert bringt, gibt es auch keine gemeinsame Bewerbung“, betont Stockhammer. Die Stubaier könnten sich allenfalls auch unabhängig vom Wipptal bewerben.