Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Bezirk Kufstein

Fehlender Schutz vor Hochwasser schlägt im Unterinntal Wellen

Der Ton in der Diskussion über den Hochwasserschutz im Unteren Unterinntal wird rauer. Radfelds BM Auer wehrt sich gegen Angriffe aus Wörgl.

Blick auf das Unterinntal bei Reith im Alpbachtal.

© APABlick auf das Unterinntal bei Reith im Alpbachtal.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Das Innhochwasser von Mittwoch hat in Wörgl die Alarmglocken laut schrillen lassen. Gerhard Unterberger, Stadtarzt Josef Schernthaner und Willi Aufschnaiter von der Anrainer-Initiative, die sich nach dem Hochwasser 2005 formierte, machten ihrem Ärger Luft. Seit 14 Jahren warten sie und Hunderte Wörgler des betroffenen Stadtteils sowie andere Innanrainer auf Schutz – obwohl er immer wieder versprochen worden sei. Auch von LH Günther Platter. Den forderten sie auf, durchzugreifen. Denn an und für sich liegt ein fertiges Projekt vor. Blockiert wird die Umsetzung derzeit vom Nein des Radfelder Gemeinde­rates, da zu viele Hektar Grund für Retentionsflächen benötigt werden.

Als einen „lauten Warnschuss“ bezeichnet auch VP-LA Alois Margreiter das Innhochwasser. „Besonders der Radfelder Gemeindeführung muss bewusst sein, dass mit jedem Einspruch, der das Projekt weiter verzögert, das Risiko steigt, dass wir nächstes Mal nicht mehr so glimpflich davonkommen“, so Marg­reiter. Im Schreiben kritisiert er auch jene Grundbesitzer, „die den Preis durch lange Verhandlungen weiter in die Höhe treiben wollen“. Das Angebot des Landes sei fair und ausgewogen und sehe umfassende Entschädigungen vor. „Irgendwann ist das Blatt ausgereizt“, so Marg­reiter.

Anders sieht es die Wörgler FPÖ-Stadtparteiobfrau NR Carmen Schimanek, die den Fehler bei der Landesregierung ausmacht. „Seit 14 Jahren ist die Gefährdungssituation in Wörgl bekannt. Seit 14 Jahren wird seitens der Landespolitik eine rasche Lösungsfindung boykottiert. Zuers­t wurde die Verantwortung hin- und hergeschoben und dann mit dem Hochwasserverband eine Beruhigungspille präsentiert, die kaum Wirkung zeigt.“

Der Radfelder Bürgermeister Josef Auer nahm gestern ebenfalls Stellung. Für ihn habe sich gezeigt, dass „auch westlich von Innsbruck Retentionen bzw. Wasserrückhaltemaßnahmen notwendig sind. Radfeld hatte in den letzten Tagen eigentlich kein Hochwasserproblem, sondern ein Grundwasserproblem.“ Das würde durch das Schutzprojekt noch verschlechtert, daher lehne man es ab und trete nicht dem Wasserverband bei. „Nicht die Gemeinde und auch nicht die Radfelder Grundeigentümer sind die Verhinderer, wir legen uns auch nicht quer und wir pokern auch nicht. Wir würden ja sogar einer Retentionsfläche östlich vom Maukenbach zustimmen, womit wir immer noch das Doppelt­e von Kundl zu den Retentionsflächen beitragen würden. Wir lassen uns aber auch nicht vorführen und auch nicht bevormunden, noch dazu mit Nachteilen.“ Laut Auer wären 140,8 Hektar in seinem Gemeindegebiet Retentionsfläche. Und: „Auch die Radfelder Bevölkerung hat ein Recht auf Schutz. In diesem Sinne arbeitet unser gesamtes Gemeinderatsgremium und wird dies auch weiterhin tun“, so Auer. Er würde an Wörgler Stelle über mobilen Hochwasserschutz und eigene Retentionsflächen nachdenken. „In Wörgl wurden große Fehler gemacht, die jetzt durch andere repariert werden sollen.“