Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Bezirk Kufstein

Kufsteiner Luftmessungen bringen Schwung in Verkehrsdebatte

Dosierampel, Sperren bei Verkehrsüberlastung oder dicker Luft – viele Vorschläge gegen das Chaos auf der B171 in Kufstein.

Die Vignettenpflicht auf der Autobahn zwischen Kufstein-Süd und der Staatsgrenze treibt viele Autofahrer auf die B171 und damit in den Kufsteiner Ortsteil Zell.

© Thomas BöhmDie Vignettenpflicht auf der Autobahn zwischen Kufstein-Süd und der Staatsgrenze treibt viele Autofahrer auf die B171 und damit in den Kufsteiner Ortsteil Zell.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Meldung hat eingeschlagen und für teils heftige Reaktionen in den sozialen Netzwerken wie auch in der Politik gesorgt: Kufstein wird selbst Luftmessungen im Stadtteil Zell vornehmen und bei zu dicker Luft die Schubertstraße sperren. So der Beschluss des Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung. Die Schubertstraße (B171) ist besonders stark durch den Ausweichverkehr von der Autobahn betroffen. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) sieht die Messungen positiv, sie werde entsprechende erforderliche Maßnahmen unterstützen, wie sie seitens ihres Pressesprechers mitteilen lässt. Welche das sein könnten, bleibt vorerst offen.

Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser findet für den Beschluss harte Worte: „Die Stadtgemeinde Kufstein ist jenseits von Gut und Böse – sie kann um das Geld, das Luftmessungen verschlingen, mit denen wieder mindestens ein Jahr Zeit vergeudet wird, jederzeit eine Ampel aufstellen und bei ,Gefahr im Verzug wegen Überlastung‘ dosieren.“ Einzig eine Grundsatzentscheidung sei notwendig, meint Gurgiser: „Vielleicht trauen sich die Kufsteiner Politiker irgendwann einmal etwas, anstatt wie ein Kaninchen vor der Verkehrsschlange zu warten, warten, warten ...“

Die Dosierampel bringt auch die Volkspartei ins Spiel. So will man die Möglichkeit temporärer Fahrverbote bei Überlastung des Straßennetzes untersuchen – die Tiroler Tageszeitung berichtete. Zu dieser Maßnahme hat man auch in Salzburg-Walserberg gegriffen, einem der Stau-Hotspots in Österreich, der für viel Ausweichverkehr sorgt. „Wichtig ist mir dabei, dass der Ziel- und Quellverkehr davon ausgenommen wird. Niemand braucht sich also davor zu fürchten, dass er dann nicht mehr nach Hause kommt“, erklärt VP-Bezirksobmann Alois Margreiter und weist darauf hin, dass sich in Salzburg ähnliche Regelungen bereits bewährt hätten.

Auch die kürzlich geführte Diskussion im Kufsteiner Gemeinderat über eine zeitlich befristete Sperre der Landesstraße in Zell sei angesichts der dramatischen Verkehrssituation verständlich und zu begrüßen: „Grundsätzlich verfolgen all diese Initiativen ja das gleiche Ziel: Wie schaffen wir es, die Belastung der heimischen Bevölkerung durch den steigenden Verkehr auf ein erträgliches Maß zu reduzieren? Welche Maßnahmen dafür geeignet und nicht nur rechtlich, sondern auch organisatorisch umsetzbar sind, das gilt es jetzt auf Herz und Nieren zu prüfen“, sagt Margreiter.