Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Bezirk Landeck

Prognose Abwanderung: Serfaus will gegensteuern

Düsteres Szenario bis 2035: Die Zahl der 15- bis 64-Jährigen schrumpft um 26 Prozent. Das Dorf schnürt nun ein „strategisches Zukunftspaket“.

Serfaus ist mit mehr als 7000 Gästebetten zum nächtigungsstärksten Tourismusort im Obergricht gewachsen.

© WenzelSerfaus ist mit mehr als 7000 Gästebetten zum nächtigungsstärksten Tourismusort im Obergricht gewachsen.



Von Helmut Wenzel

Serfaus – „Best Ski Resort“, „5 Sterne Skigebiet“ oder „Familienskigebiet des Jahres“: Auszeichnungen wie diese bestätigen die hervorragende touristische Entwicklung von Serfaus. 1,22 Mio. Nächtigungen im Jahr 2018 bedeuten 1097 Übernachtungen pro Einwohner – das ist der Spitzenplatz in Tirol. Aber auch der funktionierenden Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft zollt die Politik immer wieder Lob.

Trotzdem hat die Erfolgsmedaille eine Kehrseite. „Die jüngere Generation sieht die Zukunft nicht mehr unbedingt im Tourismus und wandert ab. Wir reden von Bildungsabwanderung“, beschrieb Bürgermeister Paul Greiter kürzlich beim Infoabend zum Projekt Dorfentwicklung „Ins’r Zukunft z’liab“ das Szenario.

Experte Gerald Mathis vom Institut für Standort- und Kommunalentwicklung (ISK) gab Zahlen bekannt: Bis 2035 werde die Einwohnerzahl (derzeit 1150) um zehn Prozent schrumpfen, die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen gar um 26 Prozent. „Das passiert, wenn wir nichts tun“, zeigte Mathis auf. Auch er sprach von Bildungsabwanderung bzw. Brain-Drain (Talentabwanderung).

Die Ergebnisse einer Umfrage im Dorf (40 Prozent Rücklaufquote) bestätigt laut Mathis den Trend. Auf die Frage „Denken Sie daran, von Serfaus wegzuziehen?“ hätten 45 Prozent geantwortet „Ja, manchmal“. Die am häufigsten genannte Begründung war: Das Dorf biete zu wenig Raum für wirtschaftliche Entwicklung, neue Geschäftsideen und auch für Wohnen. Kann man sich in Serfaus eine Existenz mit Familie aufbauen? – 50 Prozent sagten Ja, 50 Prozent Nein.

Für den Bürgermeister gibt es zumindest zwei erfreuliche Ergebnisse: „91 Prozent der Bevölkerung wohnen gerne in Serfaus, 75 Prozent halten die Lebenqualität für sehr gut oder gut.“ Das Interesse am Zukunftsprojekt sei groß, hob Greiter hervor. In acht Steuerungsgruppen und vier Workshops seien Ideen systematisch zu Papier gebracht worden. Als Zwischenergebnis liegen acht Handlungsfelder für das Dorf vor – etwa die Themen aktive Bodenpolitik, Verkehr, bauliche Entwicklung, leistbares Wohnen, Arbeitsplätze, Zwischensaison sowie Landwirtschaft und ökologische Nachhaltigkeit.

„Wir sollten aufpassen auf das, was wir haben. Die Jungen müssen wir mehr begeistern, damit sie dableiben“, resümierte der Unternehmer und Workshop-Teilnehmer Franz Patscheider.