Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Bezirk Schwaz

Hochwasserschutz mit vielen Fragezeichen in Schwaz

Politik verweist neuerlich auf Speicherkraftwerke als Hochwasserschutz. Bauern halten an Forderungen fest.

Wie würde sich der Ausbau alpiner Retention auf den Wasserstand des Inns (im Bild Schwaz) auswirken? Darüber scheiden sich die Geister.

© DählingWie würde sich der Ausbau alpiner Retention auf den Wasserstand des Inns (im Bild Schwaz) auswirken? Darüber scheiden sich die Geister.



Von Angela Dähling

Schwaz – Die Hochwassersituation der vergangenen Woche hat die Diskussion über die geplanten Retentionsflächen und Schutzpläne des Landes wieder angeheizt.

Und neuerlich werden von der Politik die fünf Wasserkraftwerke des Verbund-Konzerns im Zillertal als Hochwasserschutz ins Rampenlicht gestellt. Sie hätten laut LHStv. Josef Geisler Schlimmes verhindert. „Bereits bei drohendem Hochwasser tritt die Stromerzeugung in den Hintergrund. In solchen Situationen können die Speicherkraftwerke im Zillertal durch aktives Wassermanagement das in den Speichern zurückgehaltene Wasser verlagern und zusätzlichen Retentionsraum schaffen“, teilt Geisler in einer Aussendung mit.

Alpine Hochwasserretentionsbecken bzw. Kraftwerksspeicher allein seien aber zu wenig, verweist er auf die Studie „Auswirkung Alpiner Retention auf die Hochwasserabflüsse des Inn“. Dabei wurden Simulationen für 130 potenzielle Rückhaltebecken erstellt. Das Ergebnis: Der Pegelstand des Inns könnte bei einem 100-jährigen Hochwasser um nur ca. 2 Prozent gesenkt werden. „Die geringe Wirkung der Becken im alpinen Raum liegt daran, dass in Tirol der Niederschlag bei Hochwasser sehr uneinheitlich verteilt ist. Die Becken in den Seitentälern selbst haben zwar eine große lokale Wirkung, auf den Pegelstand des Inns erzielen sie aber nur eine kleine Wirkung“, versucht Geisler einmal mehr zu verdeutlichen.

Der Verein Hochwasserschutz Tirol zweifelt indes die Zahlen der Abteilung Wasserwirtschaft (Land Tirol) an. Und er fordert neuerlich, gewisse Punkte in die Satzung des geplanten Wasserverbandes der Gemeinden mit aufzunehmen. Darunter eine konkrete und verbindliche Alternativenprüfung in Hinblick auf mögliche alpine Retentionspotenziale und daraus resultierende Änderungen der Beitragspflichten und Stimmrechte. Auch dass sämtliche Planungsschritte auf Basis eines verbindlichen Beteiligungsmodells mit Zustimmung der Grundeigentümer zu erfolgen haben, ist eine Forderung. „Damit wird von der Einräumung von Zwangsrechten Abstand genommen, die nur in Ausnahmefällen angewendet werden dürfen“, erläutert Obmann Alfred Enthofer aus Strass. Auch Bauernbund-Präsident Josef Hechenberger fordert in einem Schreiben, das der TT vorliegt, dass das Projekt des Landes überarbeitet wird. „Ich habe dem LHStv. gegenüber klar zum Ausdruck gebracht, dass das Projekt in der derzeit vorliegenden Dimension nicht umgesetzt werden kann und eine entsprechende Verschlankung der Pläne eingefordert“, schreibt er an Enthofer. Auch eine volle, transparente Einbindung der betroffenen Grundeigentümer sei nötig und Zwangsmaßnahmen abzulehnen. BH Michael Brandl teilte dem Verein indes mit, dass die Übernahme der Forderungen über die vorgeschlagene Präambel hinaus aus rechtlichen Gründen nicht genehmigungsfähig sei. Das habe die neuerliche Nachfrage bei der Abt. Wasserrecht ergeben. Die Satzungen blieben daher inhaltlich unverändert.