Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.06.2019


Exklusiv

Patscherkofel: Die Lehren aus dem Millionendesaster

Das Kontrollamt gibt der Stadtpolitik ein paar Ratschläge für künftige Großprojekte in die Hand. Kritik gibt es auch an den Baufirmen.

Wie geht die Stadt mit großen Bauprojekten wie am Patscherkofel künftig um? Das Kontrollamt gab dazu einige Empfehlungen.

© Michael KristenWie geht die Stadt mit großen Bauprojekten wie am Patscherkofel künftig um? Das Kontrollamt gab dazu einige Empfehlungen.



Von Marco Witting

Innsbruck – Der Kontrollamtsbericht zum Patscherkofel, der der TT exklusiv vorliegt, wird die Innsbrucker Stadtpolitik noch einige Zeit beschäftigen. Zum Zeitpunkt der Stellungnahme der Patscherkofelbahn, die in den Bericht eingearbeitet wurde, lag man bei 62,9 Millionen Euro oder 8,58 Millionen über dem 2017 genehmigten Gesamtbudget. Immerhin eine Überschreitung von 15,8 Prozent. Und immer noch ist nicht alles abgerechnet oder umgesetzt. Zum Zeitpunkt des Anhörungsverfahrens – die Verhandlungen laufen, wie berichtet, ja noch – lag man eine Million Euro unter dem Worst-Case-Szenario vom vergangenen Juni.

Doch was rät der Kontrollamtsbericht jetzt eigentlich der Innsbrucker Stadtpolitik, damit ein derartiges Millionen-Desaster nicht wieder vorkommt? Kurz gesagt: Eine übergeordnete Projektsteuerung, begleitende Kontrolle und ein Kosten- und Nachtragsmanagement. Alles sehr trocken. Und keine Wunderwerkzeuge. Schon im Vorfeld der Patscherkofelbahn, auch das sagt der Bericht, gab es entsprechende Empfehlungen.

Kritisch sieht der Bericht der Kontrollabteilung auch die Planungs- und Bauzeit. Bereits kleine Verzögerungen führen schnell „zum kritischen Weg“, heißt es etwa. Obwohl man alles versucht habe, konnte der „stramme Bauzeitplan nicht im angedachten Maße“ umgesetzt werden. Und weiter: „Nach Ansicht der Kontrollabteilung hat ein über das nötige Maß hinausgehender Termindruck darüber hinaus störenden Einfluss auf die in Wechselwirkung stehenden Gebiete ‚Qualität‘ und ‚Kosten‘, weshalb angeregt wird, mehr Augenmerk auf eine zeitlich ausgewogene Planungs- und Bauzeit zu legen.“ In der Sprache des Berichts durchaus eine geharnischte Kritik an der Vorbereitung des Projekts am Patscherkofel.

Die gibt es auch am zeitlich betrachtet späten Vertragsabschluss mit einem externen Projektcontroller. Das geschah knapp vor Baustart und in „abgespeckter“ Form.

Für künftige Großprojekte empfiehlt die Kontrollabteilung die Einrichtung einer dem Prinzip der Funktionstrennung klar von den operativen Projektmanagement-Instanzen getrennten „Begleitenden Kontrollen“ mit ausreichend definiertem Leistungsbild. Dies bereits in einer möglichst frühen Phase des Projekts. Dabei ist für die Kontrollabteilung auch wichtig, was denn eigentlich für die Stadt unter den Titel eines „Großprojekts“ fällt.

Hinsichtlich der viel zu späten Installierung hatte der Projektcontroller letztlich auch nicht mehr die Möglichkeit, in die Planung und somit die Kostenentwicklung einzugreifen.

Auffallend im Bericht ist auch: Seitens der Gewerke wurden Mehrleistungen oftmals erst sehr spät vorgelegt. Dieser Umstand soll auch dem dichten Bauzeitplan geschuldet sein.

Das Kontrollamt gesteht der Patscherkofelbahn letztlich auch zu, dass durch die viel zu spät eingebrachten Leistungsaufstellungen für zusätzliche Maßnahmen „ein rechtzeitiges Erkennen von drohenden Überschreitungen“ und das Einleiten von Gegenmaßnahmen nicht zeitnah möglich war bzw. gewesen wäre. Wodurch eine effektive Kostenverfolgung eingeschränkt bzw. unmöglich gemacht wurde.

Es wird abzuwarten sein, wie die Stadt mit den Empfehlungen in Zukunft umgeht. Die Patscherkofelbahn sieht sich unterdessen in ihrer Reaktion im Anhörungsverfahren auf einem guten Weg. Der Betrieb sei wesentlich besser als die als Ziel kolportierte „schwarze Null“. Das erste volle Betriebsjahr lasse die Möglichkeit erwarten, erstmals Teile der Investitionen in die Infrastruktur zurückzuführen.

Klar ist – und das wird im Bericht deutlich. Die Projektrealisierung und die Vorgaben durch einen Architektenwettbewerb waren Kostentreiber bei der Bahn.

In der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend wurde die Bahn übrigens mit keinem Wort erwähnt. Die Parteien haben sich wohl in den Bericht eingearbeitet und bereiten sich auf den Sondergemeinderat vor, den es, wie berichtet, noch vor der nächsten Gemeinderatssitzung geben soll.