Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.06.2019


Kufstein

Fahrverbot kommt auch in Kufstein

Ähnliche Maßnahmen wie im Großraum Innsbruck sollen noch heuer in Kufstein greifen. Eine Mischung aus Fahrverbot und Dosierampeln ist angedacht. Die FPÖ erhöht den Druck per Dringlichkeitsantrag im Landtag.

Auf den Straßen im Großraum Innsbruck und Wipptal darf am Wochenende nur passieren, wer auch etwas in den Ortschaften zu erledigen hat.

© Thomas Boehm / TTAuf den Straßen im Großraum Innsbruck und Wipptal darf am Wochenende nur passieren, wer auch etwas in den Ortschaften zu erledigen hat.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Für die Tiroler Polizei war ein verkehrstechnisch ruhiger Feiertag die ideale Voraussetzung für die Generalprobe des Fahrverbots für den Ausweichverkehr von der Autobahn. Während die Maßnahme erste positive Auswirkungen in den Gemeinden im Großraum Innsbruck zeigt, versinkt Kufstein auch dieses Wochenende wieder im Stau. Viele Bewohner fragen sich, warum das Fahrverbot nicht auch hier greift. Die gute Nachricht vorweg: Es soll noch in diesem Jahr so kommen, und zwar in Form einer „Mischung aus Dosierampeln und Fahrverbot“, wie Bernhard Knapp, Vorstand der Abteilung Verkehrsrecht des Landes Tirol, bestätigt.

Dass diesem Versprechen auch Taten folgen, dafür setzt sich die FPÖ mit einem Dringlichkeitsantrag im Landtag ein. Die Abgeordneten rund um den Tiroler Parteichef Markus Abwerzger fordern darin Fahrverbote im Bezirk Kufstein analog zu jenen im Großraum Innsbruck und Wipptal (samstags 7 Uhr bis sonntags 19 Uhr). Die Regelung solle bereits mit Samstag, 13. Juli, in Kraft treten. Urlauber und Tagesausflügler verzichten auf den Kauf einer Vignette und weichen auf Gemeindestraßen aus (die Kontrollen für den Autobahnabschnitt von der Grenze bis Kufstein-Süd wurden am 1. Dezember 2013 wieder aufgenommen). „Die Dringlichkeit ergibt sich daraus, dass die eingeführten Grenzkontrollen zu weiteren umfangreichen Staus führen und unzählige Autofahrer dazu verleiten, in diesem Bereich (Ortsteile Zell und Endach – Anmerkung d. Redaktion) die Autobahn zu verlassen (...), was die Bevölkerung und auch die Tiroler Wirtschaft noch weiter belastet“, heißt es im Schreiben.

Dass man Kufstein aktuell nicht in die Maßnahmen eingebunden hat, begründet man in der Abteilung Verkehr des Landes mit geografischen und infrastrukturellen Unterschieden. Mit der Baustelle auf der Europabrücke habe man einen aktuellen Anlassfall, der die Kapazität der Straßen enorm überfordert, erklärt Knapp. Von drei Fahrspuren sei teilweise nur eine nutzbar. Die Straßen in den umliegenden Gemeinden seien für den Ausweichverkehr des Italientransits nicht gemacht. Schon oft sei es zu gefährlichen Situationen gekommen. „Auf der engen und kurvigen Ellbögener Straße steht der Verkehr regelmäßig, weil ein Wohnwagen und ein Bus nicht aneinander vorbeikommen. Solche Situationen gibt es in Kufstein nicht“, schildert Knapp. Gefahr in Verzug – und damit die rechtliche Möglichkeit einer kurzfristigen Sperre – sei allerdings im Bereich Kufsteiner Krankenhaus in Endach gegeben. Wie berichtet, gibt es dort, wenn es wieder einmal staut, auch für Einsatzfahrzeuge kein Durchkommen mehr. Man arbeite hier seit Langem an einer Lösung, erklärt der Verkehrsexperte. Zusätzliche Dosierampeln – ebenso wie bei der Eibergstraße – sollen schon bald Abhilfe schaffen.

Anders sehe die Situation in Zell aus. Dort brauche man für Maßnahmen wie Fahrverbote rechtliche Grundlagen. Und diese will man, wie berichtet, u. a. mit Luftmessungen schaffen. BM Martin Krumschnabel: „Wir gehen davon aus, dass wir eine ähnliche Situation haben werden, wo wir für Zeiten, in denen bekannte Probleme auftreten, Einschränkungen erlassen können“, zeigt sich der Stadtchef zuversichtlich. „Wenn wir die Gutachten haben, könnten wir Kufstein theoretisch dichtmachen.“

Bis sich solche Verbote und Maßnahmen herumgesprochen haben und Urlauber freiwillig auf der Autobahn bleiben, müsse man jedenfalls damit rechnen, dass sich das Stauproblem vorerst verschlimmert. „Die Auswirkungen werden auch für uns enorm sein. Wenn es vor mir staut, weil Urlauber umgelenkt werden, kann ich ja auch als Kufsteiner nicht einfach an der Schlange vorbeifahren“, meint Krumschnabel. Langfristig hofft er auf einen generellen Lerneffekt. „Wir müssen umdenken und überflüssige Fahrten sein lassen.“