Letztes Update am So, 23.06.2019 10:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Kufstein

Langkampfen: „Bahnausbau geht auf Kosten unserer Gesundheit“

Ein Infoabend des Transitforums Austria-Tirol in Langkampfen beleuchtete Bahnpläne der ÖBB von gesundheitlicher Seite. Fazit auch hier: Ein Tunnel muss her.

Rund 120 Interessierte lauschten den Worten von (v.l.) Moderatorin Sylvia Grünbichler, BM Andreas Ehrenstrasser, Mediziner Peter Lecher, Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser und Günter Dunkl (BI Kampf dem Lärm).

© HrdinaRund 120 Interessierte lauschten den Worten von (v.l.) Moderatorin Sylvia Grünbichler, BM Andreas Ehrenstrasser, Mediziner Peter Lecher, Transitforum-Obmann Fritz Gurgiser und Günter Dunkl (BI Kampf dem Lärm).



Von Jasmine Hrdina

Langkampfen - Lärm kann krank machen und muss verhindert werden, wo es nur geht. So lautete die Botschaft, die 120 Besucher am Freitagabend bei der Infoveranstaltung des Transitforums Austria-Tirol in Langkampfen zu hören bekamen. Obmann Fritz Gurgiser wetterte am Podium gegen die geplante offene Trassenführung beim Gleisausbau der ÖBB für die Nordzulaufstrecke zum Brenner Basistunnel. „Man muss Lärmursachen bekämpfen und nicht immer nur den Leuten einreden, es wird dann schon irgendwie gehen“, appellierte Gurgiser an die Bürger, sich nicht mit Versprechen von Lärmschutzwänden und Co. zufrieden zu geben. Ein Tunnel muss her, koste es, was es wolle.

Unterstützung in seiner Argumentation holte sich der Transitforum-Chef vom Mediziner Peter Lercher. Er schilderte, wie sich Lärm auf den menschlichen Körper auswirken kann. Bluthochdruck, Beeinträchtigungen beim Denken, Schlafstörungen, ein höheres Risiko für Schlaganfälle, Diabetes waren nur einige der genannten möglichen Folgen. Gesetzliche Grenzwerte seien relativ zu betrachten, weil sich Auswirkungen des Lärms im Körper durchaus gegenseitig verstärken können, so der Mediziner. In dieselbe Richtung ging es auch beim Vortrag von Günter Dunkl von der Bürgerinitiative „Kampf dem Lärm“. Bei den Gutachten würde man immer einen zeitlichen Mittelwert verwenden, was die Bewohner aber stündlich aus dem Schlaf reiße seien die Spitzenwerte, also immer, wenn Güterzüge nachts durch das Gemeindegebiet rattern. Die knapp 4000 Einwohner-Gemeinde sei durch das Industriegebiet ohnedies bereits stark von Verkehrslärm belastet. 10.000 Fahrzeuge passieren täglich den Ort, acht Prozent davon Lkw. „Ein Unterricht in der NMS ist bei offenem Fenster nicht möglich“, so Dunkl. Die Schule befindet sich direkt an der L 211. „Die Straße ist für die derzeitige Belastung eigentlich nicht zugelassen. Was passiert nun, wenn wir jahrelang eine ÖBB-Baustelle haben, wo noch mehr Lastwagen fahren“, kritisierte er. „Künftig müssen für Lärmgutachten auch Veränderungen in der Besiedelung und Bewirtschaftung einberechnet werden“, forderte Gurgiser am Ende. Für Langkampfen komme damit nur eine Tunnellösung in Frage.