Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Tirol

Fahrverbote in Tirol: Über 1000 Fahrzeuge zurückgeleitet

Eine positive Bilanz zogen heute Politik und Polizei nach dem ersten Wochenende, an dem die neu verordneten Fahrverbote in Kraft waren.

Wer über das niederrangige Straßennetz ausweichen wollte, wurde am Wochenende von der Polizei zurück auf die Autobahn geleitet.

© TT/Thomas BoehmWer über das niederrangige Straßennetz ausweichen wollte, wurde am Wochenende von der Polizei zurück auf die Autobahn geleitet.



Innsbruck — Was am Fronleichnamstag seine Vorpremiere hatte, sollte am Wochenende einer Belastungsprobe standhalten. Die Rede ist vom Fahrverbot auf bestimmten Strecken des niederrangigen Straßennetzes. Damit soll künftig verhindert werden, dass der Durchzugsverkehr über Innsbrucks Umlandgemeinden ausweicht und dort zum Verkehrskollaps führt.

Am Sonntagabend zogen Politik und Exekutive schließlich eine durchwegs positive Bilanz des Wochenendes. „Die Fahrverbote wirken", freute sich LH Günther Platter (ÖVP). Man habe bereits eine deutlich spürbare Entlastung in den betroffenen Tiroler Gemeinden verzeichnet. Die Ortsdurchfahrten seien passierbar und die Verkehrs- und Versorgungssicherheit gegeben gewesen. „Genau das ist unser Ziel: Wir schützen damit unsere Bevölkerung und Gäste vor Ort, während Durchreisende ihren Weg auf der dafür vorgesehenen Route fortsetzen können. In- und AusländerInnen sind von den Fahrverboten gleichermaßen betroffen", so Platter. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) sieht die Landesregierung durch die positiven Rückmeldungen seitens der Menschen in den betroffenen Ortschaften bestärkt, mit diesem Schritt eine Punktlandung gemacht zu haben.

350 Fahrzeuge in vier Stunden in Nösslach

Insgesamt waren es laut Polizei am Wochenende über 1000 Fahrzeuge, die auf die Autobahn zurückgeleitet wurden. Bei der Ausfahrt Nösslach in Richtung Norden waren es am Samstag innerhalb von vier Stunden 350 Fahrzeuge. Auch bei der Ausfahrt Mühlbachl wurden am Sonntag mehrere hundert abfahrende Fahrzeuge gezählt. Die Bilanz zeige, dass am gesamten Wochenende der Verkehr professionell geleitet und abgewickelt wurde, wie Oberst Günther Salzmann von der Landesverkehrsabteilung der Polizei Tirol berichtet: „Vor allem in Fahrtrichtung Norden war an beiden Tagen starker Rückreiseverkehr. Nachdem wir am Sonntag bis zum späten Vormittag eine mobile Überwachung der Abfahrten vornahmen, wurde mit Zunahme des Verkehrs umgehend eine stationäre Besetzung hochgefahren." Im Großen und Ganzen hätten sich die Verkehrsteilnehmer kooperativ gezeigt. Nur ein Autofahrer sei einfach an der Kontrolle vorbeigefahren. Er musste angehalten werden und bekam eine Geldbuße.

Nach dem ersten Fahrverbotswochenende sollen nun die Abläufe, Vorkommnisse und Entwicklungen evaluiert und im Bedarfsfall für die künftigen Wochenenden adaptiert werden, kündigt LH Platter an. Wie berichtet, sollen die Fahrverbote in dieser Form an Wochenenden und Feiertagen bis zum 14. September umgesetzt und künftig auch auf Kufstein und Reutte ausgeweitet werden.

Süd- und Nordtirol wollen enger zusammenarbeiten

Während das in Bayern auf heftige Kritik stößt und das Klima zwischen Tirol und seinem nördlichen Nachbarn schwer belastet, wollen Südtirol und Nordtirol in Verkehrsfragen enger zusammenarbeiten. Im Vorfeld des gemeinsamen Dreierlandtags von Tirol, Südtirol und Trentino, der im Oktober in Meran stattfinden wird, haben Tirols VP-Klubobmann Jakob Wolf und der Klubobmann der Südtiroler Volkspartei, Gert Lanz, eine enge Kooperation beider Parteien bei wichtigen gemeinsamen Themen vereinbart.

Vor allem die Transitentlastung der Bevölkerung steht im Fokus. „Mit der im Mai beschlossenen Einführung einer Umweltmaut in Südtirol und Trentino kommen wir der gemeinsamen Korridormaut von München nach Verona einen entscheidenden Schritt näher. Jetzt muss endlich auch Bayern in die Gänge kommen und seine einseitige Bevorzugung des Straßentransits beenden", sagt dazu VP-Klubobmann Jakob Wolf. (np, dpa, TT)