Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 25.06.2019


Exklusiv

Straßensperren am Hahntennjoch: Radler mit Reißnägeln empfangen

Bernd Huber, Bürgermeister von Pfafflar, ist schockiert, wie einfach eine Straße von Demonstrationswilligen gegen den Willen einer Gemeinde okkupiert werden kann.

Das Corpus Delicti fotografisch festgehalten: Radler fuhren am Hahntennjoch in ausgelegte Reißnägel.

© SingerDas Corpus Delicti fotografisch festgehalten: Radler fuhren am Hahntennjoch in ausgelegte Reißnägel.



Von Helmut Mittermayr

Pfafflar – Auch am Tag nach den Straßensperren am Hahntennjoch waren die Emotionen noch längst nicht versurrt. Die Blockade war, wie berichtet, in Pfafflar mit seinen Ortsteilen Boden und Bschlabs gar nicht gut angekommen. Bürgermeister Bernd Huber hatte sich derart geärgert, dass er am Sonntag gleich weggefahren war. „Ich war eigentlich geschockt, wie leicht man uns hier einsperren kann, ohne überhaupt mit uns zu reden. Ich hoffe nun inständig, dass das nicht noch einmal vorkommt.“ Der Winter sei lang gewesen, zusätzliche Sperren notwendig, da brauche man diese willkürliche Blockade wirklich nicht. Die Gastbetriebe hätten es schwer genug und müssten schwere Einbußen hinnehmen, wenn an einem Sommersonntag die Straße zu sei. „Aber eigenartigerweis­e für Radler doch geöffnet“, fügt der Dorfchef an. Die Stimmung im Dorf sei mit großer Mehrheit gegen die Aktion von Gurgiser und Co. gewese­n. Außerdem würde dies das Dorfleben spalten.

Das Klima im Bergdorf war derart gegen alles gerichtet, was mit der Aktion zu tun hatte, dass die Radler, die den motorradfreien Tag in Scharen ausnutzten, zur Zielscheibe wurden. Eine Wirtin ließ ihr Gasthaus bewusst geschlossen und richtete den Radlern via Schild in der Eingangstüre aus, dass sie geschlossen halte und „Biker“ erst ab 16.30 Uhr herzlich willkommen seien. Dann nämlich, wenn die Sperre aufgehoben sei und die Motorradler zurück seien. Die Wirtin war am Montag telefonisch nicht erreichbar. Harald Singer, Obmann des Radclubs Reutte, war mit einer großen Gruppe unterwegs: „Wir wollten ja gerne einkehren und etwas konsumieren, wenn die Wirtschaften durch die Sperre schon betroffen sind. Dann sind wir halt weiter in die ,Gemütlichkeit‘. Dort war geöffnet und alle herzlich.“

Ein Gasthaus hatte extra geschlossen und öffnete erst wieder für Motorradler.
Ein Gasthaus hatte extra geschlossen und öffnete erst wieder für Motorradler.
- Singer

Andere wiederum griffen zu Gegenmaßnahmen, mit denen sich nun die Polizei beschäftigen wird. Auf der Strecke waren Reißnägel gestreut. Allein Singer musste bei drei Rennrädern Patschen flicken helfen: „Wir sind über diesen unfreundlichen Akt schon sehr verwundert. Wir haben ja nicht an der Demo teilgenommen und wollten nur den motorradfreien Tag nutzen. Sonst musst du mit dem Rad um fünf Uhr Früh rauf, alles andere ist zu gefährlich. Ich hatte auch meine Kinder mit dabei.“ Ein Loch im Reifen am Hinaufweg sei ein kleines Ärgernis, hinunter könne es lebensgefährlich werden, ist sich der Reuttener sicher. Ein Deutscher, ebenfalls betroffen, übergab der Polizei gleich eine Handvoll Reißnägel. Jetzt wird gegen Unbekannt ermittelt. Bürgermeister Bernd Huber hofft, dass der oder die Täter gefunden werden: „Denn das geht eindeutig zu weit.“ Chefinspektor Walter Schimpfössl war Sonntag selbst mit den Rad am Joch. Zu den Reißnägeln fällt ihm nur eines ein: „Kriminell!“

- Singer