Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.06.2019


Bezirk Landeck

Projekt Nahversorger scheiterte in Grins: „Wir haben das Ziel klar verfehlt“

Die Gemeinde Grins legt die Suche nach einem Einzelhändler ad acta. Für ein alternatives Modell gab es zu wenig Interesse.

Es gibt keinen alternativen Grinner Weg für einen Nahversorger. Die Räum­e des ehemaligen Geschäfts bleiben vorerst verwaist.

© ReichleEs gibt keinen alternativen Grinner Weg für einen Nahversorger. Die Räum­e des ehemaligen Geschäfts bleiben vorerst verwaist.



Von Matthias Reichle

Grins – Das Projekt Nahversorger ist in Grins gescheitert. Bürgermeister Thomas Lutz zieht eine ernüchternde Bilanz. Wie berichtet, wollte man in der Gemeinde einen alternativen Weg bestreiten, um wieder ein Geschäft zu etablieren – seit 2017 gibt es im Dorf keine Möglichkeit mehr, Lebensmittel einzukaufen. Nachdem es nicht gelungen war, einen Händler nach Grins zu locken, sollte ein Genossenschaftsmodell Abhilfe schaffen. Doch das Interesse daran war zu klein. „Es haben sich 74 Personen gemeldet. Wir sind klar am Ziel vorbei. Wir hätten 100 Personen gebraucht, sonst ist das Ganze nicht wirtschaftlich“, wie der Bürgermeister betonte.

Mit der Genossenschaft wollte man etwas Neues probieren. Bürger, die sich daran beteiligt hätten, hätten online bestellt, der Einkauf wäre in das neue Lokal der Genossenschaft geliefert worden – so die Idee. Neben einer Stammeinlage (300 Euro) wäre eine monatliche Miete von fünf Euro angefallen.

Bis zum 24. Mai hatten Interessierte Zeit, eine Willensbekundung abzugeben. Es ist bei 74 geblieben. „Davon waren einige Personen, die gar nicht einkaufen wollen, sich aber mit dem Projekt solidarisch erklärt hatten“, so Lutz. „Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif“, erklärt der Dorfchef.

Nun gibt man auf. Nachdem man zwei Jahre lang nach einer Lösung für den fehlenden Markt gesucht hatte, werde das Ganze erst einmal ad acta gelegt, erklärt er, „der Prozess ist abgeschlossen. Man kann die Leute nicht zwingen“, so Lutz – von Seiten der Gemeinde habe man sich bemüht, das Projekt zu bewerben. Das Problem lag dabei nicht in der Erstinvestition in Höhe von 150.000 bis 180.000 Euro – laut Lutz gab es Fördermöglichkeiten, Sponsoren, die Gemeinde hätte den Restbetrag gestemmt –, sondern im jährlichen Abgang.

Enttäuscht ist auch Franz Auderer, Obmann der Grinner Dorfgenossenschaft, die die Räume für den neuen Laden vermietet hätte. „Es war ein visionäres Projekt mit Zukunftspotenzial“, betont er. „Es ist schade. Ein Verlust. Aber wir können die Nähe zu Landeck nicht wegdiskutieren.“ Viele mit Pkw fahren zum Einkaufen in die Stadt.

Die Dorfgenossenschaft wird sich jetzt nach einer anderen Nutzung der Räume umsehen – als Wohnungen oder als Lager.