Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 26.06.2019


Bezirk Reutte

BM Ginther hofft auf Sonntagsfahrverbot am Hahntennjoch

Die Positionen der Bürgermeister von Elmen und Pfafflar zum Thema Motorradlärm am Hahntennjoch könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine hofft auf einen Bann, der andere auf viele verkehrsoffene Tage.

Sonntägiger Aktionismus bei der Bürgerversammlung an der Elmer Auffahrt zum Hahntennjoch gegen den Lärm von Motorrädern.

© OberlohrSonntägiger Aktionismus bei der Bürgerversammlung an der Elmer Auffahrt zum Hahntennjoch gegen den Lärm von Motorrädern.



Elmen – Zur sonntäglichen Sperre des Hahntennjochs hat Elmens Bürgermeister Heiner Ginther, in dessen Gemeinde die Versammlung auf der Straße stattfand, eine klare Meinung – und sie während der Demo auch zum Besten gegeben: „Ich bin prinzipiell kein Freund von Demonstrationen oder Streiks. Man muss versuchen, den Interessenausgleich vorher herzustellen. In diesem Fall verstehe ich die Demonstranten aber sehr gut, wenn sie auf dieses große Problem und die Benachteiligungen aufmerksam machen.“ Ginther hofft auf Landesrätin Ingrid Felipe: „Nämlich dass sie einen Probelauf für ihr angekündigtes Motorradfahrverbot am Hahntennjoch an Sonntagen bald umsetzen kann.“ Der Elmer Dorfchef ist auch Naturpark- und zudem Planungsverbandsobmann. Er wisse oft gar nicht, was er Gästen sagen soll, die sich bei ihm immer wieder über den Lärm durch Motorräder beschweren würden. Er könne ja schlecht erklären, dass man im Lechtal beides wolle – Lärm und Ruhe, um es nur allen recht zu machen. In der Nachbargemeinde Pfafflar wollte BM Bernd Huber im TT-Interview von Sperren nichts wissen. Die Wirtschaft benötige jeglichen Verkehr. Für Fritz Gurgiser, Mitveranstalter der Demo, ist das wiederum eine „Anbiederung à la Piefke-Saga an die Gäscht“.

Die grüne Elmer Altabgeordnete Maria Scheiber beklagt, dass sich das mediale Echo dieser doch „äußerst gelungenen Veranstaltung mit insgesamt 500 Besuchern, Hunderten Radfahrern und bester Stimmung während des ganzen Tages“ nicht mit ihrer Einschätzung decke. An der Aktion sei wirklich nichts Negatives zu finden gewesen.

Der blaue Bezirksobmann, selbst ein Lechtaler, sieht das schon wieder ganz anders. Fabian Walch: „Die Blockade der Hahntennjochstraße durch die IG Xund’s Lechtl sorgte neben der sehr überschaubaren Anzahl an Demonstranten bei vielen Anrainern für Unmut.“ Für die FPÖ macht es sich die Gruppe zu leicht. Dialog sei das Zauberwort. „Diese Gruppe macht nun aber genau das, was sie selbst an der Politik kritisiert, nämlich drüberfahren.“ Die Interessen anderer – etwa des Tourismus und des Handels – würden einfach ignoriert. Die Verteufelung und Stigmatisierung der Motorradfahrer sei der falsche Weg, die Gesundheit der Anrainer habe trotzdem Priorität. Für Walch liegt das Heil in der Forschung. Die Wissenschaft müsse Wege finden, um das Problem von Dezibel und Frequenz dieses unscharf festzumachenden, störenden Lärms in den Griff zu bekommen. Denn die Motorradfahrer seien fast durchwegs mit gesetzeskonformen Maschinen unterwegs. (hm)