Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Bezirk reutte

Bürgermeister von Pfafflar tritt im November zurück

Bei Bernd Huber ist die Luft draußen. Dorfchef in einem Miniort mit pre- kären Finanzen und Streit unter Ver- wandten zu sein, das wird ihm zu viel.

Bernd Huber (38) wirft nach 15 Jahren als Dorfchef das Handtuch – heuer im November.

© HuberBernd Huber (38) wirft nach 15 Jahren als Dorfchef das Handtuch – heuer im November.



Von Helmut Mittermayr

Pfafflar – Die sonntägliche Straßensperre gegen Motorradlärm und die Gräben, die sich dadurch im Bergdorf Pfafflar noch weiter vertieft haben, wirkten als Katalysator für eine Entscheidung von Bürgermeister Bernd Huber. Ein Gedanke, den er schon seit zwei, drei Jahren in sich trägt, ist nun quasi über Nacht zu Ende gereift – in der Gemeinderatssitzung am Montag teilte er den Mandataren der Einheitsliste mit, dass er zurücktreten wird. Im November. Er will sich nicht über Nacht davonschleichen, auch seine Arbeit als Substanzverwalter der Agrar noch bis nach der Sommersaison zu Ende bringen. Aber schon kommenden Montag soll seine bei der BH Reutte bereits eingereichte Entscheidung in Rechtskraft erwachsen.

Noch gestern war er vom lärmgeplagten Pfafflarer Klaus Perl öffentlich angegriffen worden, dass die Gemeinde sehr wohl in das Verfahren zur Sperre des Hahntennjochs eingebunden gewesen sei. Perl, ein Verwandter des Bürgermeisters, bekrittelte, dass sich ein ausgesuchter Kreis – er wurde nicht eingeladen – im Gasthaus „Zur Gemütlichkeit“ in Bschlabs getroffen habe, um eine Petition über diese angeblich „willkürliche Blockade ohne Einbindung der Gemeinde“ aufzusetzen. Informationen an die Bürger habe es von Seiten der Kommune überhaupt keine gegeben. Perl, verwandt auch mit dem Betreiber des Gasthauses, wie auch der Bürgermeister, führt weiter aus, dass „die letzte Gemeinderatssitzung am 27. 11. 2018 stattgefunden hat. Dass es bis heute keine genehmigte Jahresrechnung der Gemeinde Pfafflar für 2018 und keinen genehmigten Haushaltsvoranschlag der Gemeinde Pfafflar für 2019 gibt.“ Huber, 2004 mit 23 Jahren jüngster Bürgermeister Österreichs, erklärt, dass dies stimme und auch nicht. Denn in der Gemeinderatssitzung am Montag, bei der er seinen Rücktritt bekannt gab, seien all diese Punkte abgearbeitet worden. Im Schnitt habe er pro Quartal eine Sitzung abgehalten. Den Vorwurf, in Sachen Motorradlärm zu sehr auf die Gasthäuser geschaut zu haben, will er gar nicht groß entkräften. „Was anderes haben wir hier nicht. Der Breitenwanger Bürgermeister greift ja auch nicht das Metallwerk an.“

Huber ist es leid, dauernd „zwischen den Stühlen zu sitzen“, meist sogar innerhalb der Verwandtschaft im 108-Seelendorf. Das Lärmthema werde sich nicht beruhigen. Aber vielleicht habe auch er Schuld, dass es tiefe Gräben gebe. Ein neuer Gemeinderat könne einen anderen Zugang finden. Einen Nachfolgekandidaten gebe es im Moment noch nicht. Dann müsse halt die Bezirkshauptmannschaft im Herbst kurz die Verwaltung übernehmen und Gemeinderatswahlen ausschreiben.

„Wirklich bitter für die Arbeit in einem so kleinen Ort ist, dass mangels finanzieller Mittel der Raum für Kreatives immer null ist“, beklagt Huber. Er werde sich nun seiner IT-Firma im Oberland widmen, politischer Privatier werden – und lässt mit einem Schlussstatement aufhorchen, das keine Interpretationsspielräume offenlässt: „Leckat mi doch alle am Oarsch!“