Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Bezirk Schwaz

Aktienmehrheit bei der Achenseebahn: Kein Grund zum großen Feiern

Die Gemeinden Eben, Jenbach und Achenkirch haben jetzt die Aktienmehrheit bei der Achenseebahn. Das Land Tirol kann nun 1,2 Millionen Euro für dringend notwendige Investitionen lockermachen.

Den generalsanierten Kessel will Vorstand Georg Fuchshuber in Lok 3 einbauen.

© ZwicknaglDen generalsanierten Kessel will Vorstand Georg Fuchshuber in Lok 3 einbauen.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach Im zweiten Anlauf klappte die Erhöhung des Grundkapitals bei der Achenseebahn AG. Nachdem eine außerordentliche Hauptversammlung im Februar innerhalb weniger Minuten zu Ende war, konnten diesmal die nötigen Beschlüsse mit einer Mehrheit von jeweils mehr als 75 Prozent gefasst werden. Das Argument für das fehlende Beschlusskonglomerat aus dem Februar: „Weil die Beschlüsse von Landesregierung und Bahn nicht kompatibel sind, muss es eine Neuauflage geben“, argumentierte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kittl damals. Schließlich ging es um ein Sofortprogramm in der Höhe von 1,2 Millionen Euro. Mit dem Landeszuschuss sollte die Saison 2019 gesichert werden. Ziel war es auch, damit den Gemeinden Achenkirch, Eben und Jenbach die Aktienmehrheit zu sichern. Bisher hatten sie mehr als 30 Prozent, nun sollen es über 50 Prozent sein. Eine Aktie kostet 370 Euro.

„Meine Familie und ich werden uns an der Erhöhung des Grundkapitals nicht beteiligen“, stellte Steuerberater und Aufsichtsratsvorsitzender Kittl von Anfang an klar. „Ich habe genug Geld darin stecken“, sagte er nach der Sitzung im Gespräch mit der TT. Das Geld vom Land gehe mit 310.000 Euro in den Abbau von Restbeträgen an eine Gleisbaufirma, 290.000 Euro entfallen auf den Fuhrpark samt Loks und 600.000 für die Flachstrecke und den Bahnhof Jenbach. „Hätte die Bank nicht vorfinanziert, wäre alles schon vorbei. Ohne eine finanzielle Beteiligung von Bund und Land wird man das aber nicht schaffen“, sagt Kittl. Derzeit gebe es von Landesseite Bemühungen, ein Konzept für die Zukunft der Bahn zu erarbeiten. Informationen wegen des Ankaufs der gebrauchten Appenzeller Garnituren, die auf Elektrobasis funktionieren, gebe es nach einer Anfrage erst bei der ordentlichen Hauptversammlung in einigen Monaten, versprach Kittl. In einer Stunde waren die noch offenen Anträge abgewickelt. Und das jeweils mit den erforderlichen Mehrheiten der 19 Aktionäre, die 3866 Aktien vertraten.

Noch immer läuft der Arbeitsrechtsprozess um den ehemaligen Vorstand. „Nach dem bisherigen Tempo wird das noch einige Jahre dauern“, stellte der Aufsichtsratsvorsitzende fest. Und er sei der Meinung, dass dieser Prozess von der Achenseebahn gewonnen werde.

Unumwunden gibt Vorstand Georg Fuchshuber – seit 2013 im Amt – einen Saisonstart mit Hoppalas zu. Anfangs konnte man wegen verzögerter Materialbeschaffung verspätet starten, dann gab es einen Lokstillstand bei Fischl. Auf der Flachstrecke gab es Schweißarbeiten an den Schienen und die Reparatur der Weichen am Bahnhof Eben. „Das heißt aber nicht, dass dieser Streckenteil nicht erneuert werden müsste“, stellt er trocken fest. Auf eine 130-Jahr-Feier anfangs Juni habe man bewusst verzichtet. Am „Jubiläumstag“ wären die Garnituren mit Fähnchen dekoriert unterwegs gewesen.

Im Lokschuppen wird die dritte von vier Loks fahrbereit gemacht. In einer deutschen Kesselschmiede hat man das Innenleben des Kessels erneuert. Gearbeitet wird auch an einem Waggon. „Denn in Minzgrün statt Rot sollen künftig die Wagen unterwegs sein“, sagt Vorstand Georg Fuchshuber.

Ob die Karten nach der Verschiebung der Aktienanteile, mit denen die Gemeinden die Mehrheit haben, neu gemischt werden, ist im Herbst zu entscheiden. „Ich werde sicherlich noch die Jahreshauptversammlung einberufen“, sagte Kittl, der um eine rasche Abwicklung der außerordentlichen Jahreshauptversammlung bemüht war. Die Gemeinde Jenbach (vertreten durch Vizebürgermeisterin Inge Meixner-Hammer) brachte 626 Aktien ein, BM Josef Hausberger (Eben) verfügt bis dato über 852 Gemeindeaktien, während BM Karl Moser (Achenkirch) 287 Aktien hat.

Der erste Waggon – statt rot in Minzgrün – soll bis Saisonende auf die Strecke gehen.
Der erste Waggon – statt rot in Minzgrün – soll bis Saisonende auf die Strecke gehen.
- Zwicknagl