Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Osttirol

Matrei will Verpflichtung zur Sparsamkeit kündigen

Mit einer Verlängerung der Laufzeit von Darlehen will Bürgermeister Köll finanziellen Spielraum schaffen. Land und Banken müssen Ja sagen.

Nach Vorgabe des Landes darf Matrei nur die unbedingt notwendigen Zahlungen tätigen. Der Bürgermeister will eine andere Lösung.

© OblasserNach Vorgabe des Landes darf Matrei nur die unbedingt notwendigen Zahlungen tätigen. Der Bürgermeister will eine andere Lösung.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Der Wirbel um die prekären Matreier Finanzen will und will sich nicht legen. Seit dem Vorjahr steht die Osttiroler Gemeinde mit Bürgermeister Andreas Köll faktisch unter Kuratel des Landes, nur die allernötigsten Ausgaben dürfen erfolgen. Im Herbst 2018 musste der Gemeinderat außerdem eine Erklärung unterschreiben, laut der er sich zu absoluter Sparsamkeit in Gemeindeangelegenheiten verpflichtet.

Diese Verpflichtung will der Bürgermeister allerdings wieder loswerden. In der Sitzung am Mittwochabend fand sich dazu ein Punkt auf der Tagesordnun­g, in dem es um die „Verlängerung von Restlaufzeiten“ geht. Gemeint sind damit in erster Linie Darlehen für Kanal und Wasserversorgun­g.

„Die Restlaufzeiten für dies­e Darlehen sollen jeweils um zehn Jahre verlängert werden“, sagt Köll. Zurzeit müsse sehr viel Geld in die Tilgung von Annuitäten gesteckt werden. Mit einer verlängerten Laufzeit wären die Raten niedriger. „Damit hätten wir einen jährlichen finanziellen Spielraum von 500.000 bis 600.000 Euro und könnten die Verpflichtung gegenüber dem Land aufkündigen.“

Zurzeit ist es nämlich so, dass das Land trotz der Matreier Verpflichtung zur strengen Sparsamkeit immer wieder mit Bedarfszuweisungen – auch außertourlichen – einspringen muss. Die Summen gehen bereits jetzt in die Hundertausende, ein Ende ist nicht abzusehen.

Den neun Mandataren von Kölls Liste im Gemeinderat stehen acht Mitglieder der oppositionellen Matreier Liste mit Sprecher Bernd Hradecky gegenüber. Hradecky kritisierte das Vorhaben des Bürgermeisters und forderte weiterhin Sparsamkeit ein. Köll darauf: „Wenn ihr glaubt, wir wollen weiter jahrelang zum Land betteln gehen, dann ist das ein Irrtum.“

Fix ist allerdings noch nichts, denn erstens müssen die Banken den verlängerten Laufzeiten bei den Darlehen zustimmen, und zweitens braucht es eine aufsichtsbehördliche Genehmigung vom Land. Das gilt auch für den neuen Kontokorrentkredit über wahlweise 600.000 oder 300.000 Euro, den Köll aufnehmen will.