Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Bezirk Imst

58 Prozent “hausgemachter“ Verkehr im Ötztal

Der Verkehr im Ötztal wurde gemessen. Die Analyse durch Verkehrsexperte Andreas Knapp wurde dem Oetzer Gemeinderat öffentlich vorgestellt. Für die Hälfte des Verkehrs sind Einheimische verantwortlich.

In Oetz ist an Werktagen einiges los.

© DornIn Oetz ist an Werktagen einiges los.



Von Agnes Dorn

Oetz – Um eine Mobilitätsstrategie für das Ötztal zu entwickeln, wurde zunächst der Ist-Zustand des Verkehrs erhoben. In Auftrag gegeben wurde diese Studie von den fünf Talgemeinden, dem Tourismusverband sowie den Bergbahnen.

Andreas Knapp, Mobilitätsbeauftragter des Ötztals, präsentierte die Ergebnisse nun zunächst dem Gemeinde­rat von Oetz. Die weiteren Gemeinden werden in den nächsten Wochen folgen. Ab Herbst wird ein Bürgerbeteiligungsprozess gestartet, wobei man sich auch die Teil­habe von Jugendlichen wünscht, die zu eigenen Sitzungen eingeladen werden.

Verkehrszählungen durch 20 verschiedene Zählstellen im gesamten Ötztal haben binnen 24 Stunden 52.450 Fahrten erfasst. Davon waren 58 Prozent der Fahrzeuge mit IM-Kennzeichen unterwegs. Befragungen von knapp 1000 Fahrzeuglenkern zeigten außerdem, dass im vorderen Ötztal zwei Drittel des Gesamtaufkommens durch Pendlerverkehr talauswärts entstehen, in Längenfeld und Sölden hingegen überwiegen die Fahrten innerhalb der Gemeinden. Dass man gerad­e die Werktage und nicht die besonders verkehrsbelasteten Wochenenden analysiert hat, wie auch kritisiert wurde, hat laut Bürgermeister Hansjörg Falkner einen einfachen Grund: „Dies zu analysieren, würde keine fundamental neuen Erkenntnisse mit sich bringen. Wir wollten vor allem wissen, welche Verkehrsströme darüber hinaus an normalen Werktagen stattfinden.“ Eine weitere Zählung an einem Samstag schließt Knapp indes nicht aus.

Mobilitätsbeauftragter Andreas Knapp analysierte den Verkehr im Ötztal an zwei Werktagen im März.
Mobilitätsbeauftragter Andreas Knapp analysierte den Verkehr im Ötztal an zwei Werktagen im März.
- Dorn

Zunächst sei der Aufbau einer E-Ladeinfrastruktur im Ötztal geplant, der demnächst starten soll und die Gemeinden voraussichtlich nichts kosten wird.

Außerdem soll ein bedarfsorientierter Verkehr mittels E-Car und E-Bike-Sharing entwickelt und die autofreie Anreise attraktiviert werden. „Wir möchten als innovativ­e Region wahrgenommen werden. In einer Kooperation mit der Universität Innsbruck wollen wir das Ötztal als Forschungs- und Entwicklungsregion aufnehmen lassen“, hofft Knapp auf Breitenwirkung. Fördermittel sollen auch in Zusammenarbeit mit der Klima- und Energie­modellregion Imst lukriert werden, wie für das Projekt Probike von Energie Tirol, das ebenfalls in Oetz starten wird. Den Verkehr längerfristig um 30 Prozent zu reduzieren, sei machbar, denn: „Den Großteil dieser Fahrten könnte man in eine andere Mobilitätsform überführen“, so Knapp. „Das ist tirolweit einmalig, dass so ein Projekt in einer Region gemeinsam abgestimmt wird. In dieser Größenordnung gibt es das in ganz Österreich nicht“, streicht Knapp den Innovations­charakter der Strategie hervor.

Nicht ganz so euphorisch waren dagegen die wenigen Reaktionen der Oetzer Gemeinderäte: „Der Kuschelkurs hängt mir schon lange beim Hals raus“, nahm sich Ersatz-GR Josef Jäger kein Blatt vor den Mund und auch aus den Reihen des Publikums hörte man Kritik an der – für manch­e zu wenig detaillierten – Analyse der Verkehrsproblematik in Oetz. Details zu neuralgischen Punkten werden jedoch vermutlich bei den Gemeindeversammlungen in den Gemeinden und den weiteren Folgeveranstaltungen zur Sprache kommen.