Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Bezirk Kufstein

Asbestlager-Pläne neben Kufsteiner Krankenhaus wirbeln Staub auf

Neben dem Kufsteiner BKH soll eine Baurestmassendeponie samt Lagerung gefährlicher Stoffe entstehen. Politik reagiert mit Kampfansage.

Neben der Autobahnabfahrt Kufstein-Süd soll die Baurestmassendeponie samt Lager für gefährliche Stoffe errichtet werden.

© HrdinaNeben der Autobahnabfahrt Kufstein-Süd soll die Baurestmassendeponie samt Lager für gefährliche Stoffe errichtet werden.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Wo der Begriff „Deponie“ fällt, ist die Aufregung meist groß. Reiht sich dann noch das Wort „Asbest“ daran, geht der Aufruhr schon mehr in Richtung Massenpanik. Nach Schwoich muss sich nun auch Kufstein dem „Ungetüm“ Baurestmassendeponie stellen. Ein Unterländer Entsorgungsunternehmen plant bei der Autobahnabfahrt Kufstein-Süd eine Aufbereitungsanlage samt Zwischenlager – mitunter sollen dort auch asbesthaltige Stoffe aufbewahrt werden. Und das, obwohl keine 500 Meter entfernt das Bezirkskrankenhaus steht. Daran angeschlossen befindet sich ein großes Wohngebiet.

„Dieser Standort ist aberwitzig“, ärgert sich BM Martin Krumschnabel (Parteifreie). Von dem Vorhaben wisse er zwar schon länger, doch habe man angenommen, der Antragsteller hätte seine Pläne verworfen, weil ihm schon vor Monaten signalisiert wurde, dass man den Standort für äußerst ungeeignet halte. „Wir werden politisch und juristisch alle Register ziehen, um die Deponie zu verhindern“, verspricht der Stadtchef. FPÖ-Landtagsabgeordneter Christofer Ranzmaier zeigt sich von der „intransparenten Kommunikation“ des Bürgermeisters enttäuscht. Auch die Gemeinderäte hätten von dem Vorhaben nichts gewusst. VBM Hannes Rauch (VP) wettert gegen die Deponie: „So was kommt für mich nicht in Frage. Das Projekt entspricht in keinster Weise dem Gedanken der ökosozialen Marktwirtschaft.“

Wie viel die Gegenwehr der Kommunalpolitik bringt, wird sich – ähnlich wie in Schwoich – erst weisen. Denn auch in Kufstein hat die Gemeinde aufgrund der zu geringen Dimension der Anlage kein Mitspracherecht. 0,9 Hektar groß ist die Fläche, auf der pro Jahr etwa 100.000 Tonnen an Abfällen angeliefert, aufbereitet und gelagert werden sollen.

Neben dem Krankenhaus als Gegenargument missfällt Krumschnabel auch der Gedanke eines verstärkten Verkehrsaufkommens durch Lkw-Lieferungen. „Die Autobahnabfahrt ist bereits jetzt extrem belastet. Wir brauchen auch nicht noch mehr Lärm und Schadstoffe. Das verstößt gegen alles, was unsere Standortpolitik hergibt.“

Dass das Gebiet in Endach verkehrstechnisch gut liegt – weil neben Autobahn und Bundesstraße –, reicht Krumschnabel als positives Argument nicht aus. „Man wird wohl in Tirol Plätze für Deponien finden, die abgeschiedener sind. Zur Not muss man eben dorthin eine Straße bauen“, meint der Bürgermeister.

Die mündliche Verhandlung ist für 10. Juli angesetzt.