Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Tirol

Kein Geld für Heer in Tirol: Mit dem Reisebus zu Manöverplanung

Auch das Militärkommando Tirol kämpft massiv mit dem Budget. Bei einer aktuellen Übung wird das Finanzloch ersichtlich.

Militärkommandant Herbert Bauer.

© Thomas Boehm / TTMilitärkommandant Herbert Bauer.



Innsbruck – Ein Reisebus macht die materielle Not des Bundesheeres anschaulich: Knapp zwei Dutzend Personen waren gestern in Reith bei Kitzbühel und Umgebung unterwegs, auf Erkundung für eine große Übung. Mangels eigener Fahrzeuge zum Transport der Gruppe musste das Militärkommando Tirol den Bus bei einem privaten Unternehmen anmieten. „Eigentlich sollten sie mit einem Pinzgauer und einem Mannschaftstransporter unterwegs sein“, bedauert Militärkommandant Herbert Bauer.

Die „Scheitelhöhe 2019“ steigt in der kommenden Woche. 900 Soldatinnen und Soldaten werden den Schutz kritischer Infrastruktur üben. Übungsannahme ist eine Bedrohung der transalpinen Ölpipeline, die am Felbertauern den Hauptkamm der Alpen quert.

Der Bus ist aber nicht der einzige Moment, in dem Bauer die Misere vor Augen geführt wird: So sollte ein Stapler aus Innsbruck nach Osttirol gebracht werden, um Soldaten beim Schlichten von Sandsäcken zu unterstützen. Der einzige in Innsbruck vorhandene Tieflader hat aber kein Pickerl mehr, berichtet Bauer – für die Überprüfung fehlt das Geld. Ein Ersatzfahrzeug aus Klagenfurt wiederum hatte eine Panne. Und jetzt? „Schlichten mit der Hand“, antwortet der Generalmajor – außer, es kommt doch noch ein Tieflader aus Niederösterreich.

Die Mobilität steht denn auch an erster Stelle, wenn Bauer die drei Bereiche mit den größten Problemen schildert. Als Zweites nennt er die Infrastruktur. Nur für die Instandhaltung von Kasernen wären im Land Tirol in den Jahren 2020 bis 2023 knapp 70 Millionen Euro nötig. Tatsächlich beträgt das jährliche Baubudget des Militärkommandos ein Zehntel dieser Summe. Damit sollen auch längst versprochene Verbesserungen für Grundwehrdiener umgesetzt werden, etwa der Austausch der jahrzehntealten Stahlrohrbetten in den Unterkünften.

Drittens die Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten, von der Kugelschutzweste bis zum Nachtsichtgerät. Vor der Übung sind die Mängel besonders sichtbar. Autos borgen sich die Tiroler in der Steiermark und im Burgenland aus, Funkgeräte aus Wien und Kärnten.

Spezifisch tirolerisch – wenn auch nicht für die „Scheitelhöhe 2019“ – ist der Bedarf an Ski. Der Fehlstand? Mehr als die Hälfte des Solls, sagt Bauer. (sabl)