Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.07.2019


Innsbruck-Land

Wattener Sportareal vor Neugestaltung

Der Gemeinderat stimmte einem Angebot der WSG zur Sanierung und Umgestaltung des Areals ums Gernot-Langes-Stadion zu. Die „Gretchenfrage“ eines neuen, bundesligatauglichen Stadions war dabei kein Thema.

Der Kabinentrakt unter der Tribüne des Gernot-Langes-Stadions wird saniert, das Aufnahmegebäude ausgebaut.

© DomanigDer Kabinentrakt unter der Tribüne des Gernot-Langes-Stadions wird saniert, das Aufnahmegebäude ausgebaut.



Von Michael Domanig

Wattens — Nach intensiven Diskussionen, aber letztlich einstimmig beschloss der Wattener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, einem Angebot der WSG Swarovski Tirol zur gemeinsamen Sanierung und Neugestaltung des Sportareals rund ums Gernot-Langes-Stadion näherzutreten. Die Frage der Errichtung eines bundesligatauglichen Stadions mit ca. 6500 Plätzen — wie es WSG-Präsidentin Diana Langes ja vorschwebt — ist für den Gemeinderat momentan hingegen kein Thema.

Zur Ausgangslage: Wie BM Thomas Oberbeirsteiner (Für Wattens — VP) erklärte, gebe es auf dem Sportareal — das neben den Fußballplätzen auch den Eislaufplatz sowie Leichtathletik-, Multifunktions- und Behindertensportanlagen umfasst — „massive Defizite bei den baulichen Anlagen" und Platznot. Darunter leidet vor allem die WSG, die neben den beiden Kampfmannschaften insgesamt elf Nachwuchsteams betreibt: Ein Teil der über 180 Kinder und Jugendlichen muss derzeit in andere Gemeinden ausweichen. Speziell der Kunstrasenplatz entspricht laut WSG von der Größe her nicht modernen Trainingsstandards. Auch der Stadiontrakt mit Kabinen und Nasszellen sowie das Aufnahmegebäude sind dringend sanierungsbedürftig.

Nachdem der angedachte Ankauf weiterer Grundstücke von angrenzenden Eigentümern laut Oberbeirsteiner kostentechnisch nicht möglich war, muss alles auf bestehendem Grund untergebracht werden. Das Gesamtkonzept fürs Sportareal, von WSG und Gemeinde zusammen erarbeitet, sieht konkret vor, zwei neue Fußball-Trainingsplätze zu errichten: Der eine wird nach Osten abgerückt, damit westlich ein weiterer, um 90 Grad gedrehter Platz, errichtet werden kann. „Opfer" des Konzepts ist die 400-m-Tartanlaufbahn, die abgerissen wird. Damit auf dem Areal auch künftig Laufsport möglich ist, soll stattdessen eine so genannte „Finnenbahn" errichtet werden. Auch der Behindertensport soll auf dem Areal weiter Platz finden — was gerade auch von der FPÖ Wattens massiv eingemahnt wurde.

Die Gemeinde allein hätte dabei „ein Finanzierungsproblem", so Oberbeirsteiner weiter. Daher freue es ihn, dass die WSG ein „sehr gutes Angebot" vorgelegt hätte, das den Gemeinderäten kürzlich in einer eigenen Sitzung präsentiert wurde — und über das nun abgestimmt wurde.

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Der WSG-Vorstand erklärt darin, dass man die „ursprüngliche Ausrichtung" auf ein erstligataugliches Stadion „vorerst verworfen" und das Konzept wie folgt in Richtung Sanierung und Neugestaltung der Sportanlagen überarbeitet habe: In Baustufe eins sollen ein neuer Kunstrasenplatz (100 x 64 m) und ein Naturrasenplatz (90 x 60 m), beide mit Flutlicht, errichtet werden, zugleich Trainingsmöglichkeiten für den Behindertensport — Kostenpunkt: ca. 3 Mio. Euro. In der zweiten Baustufe wird der Kabinentrakt unter der Stadiontribüne saniert und das Aufnahmegebäude ausgebaut, was ca. 2,6 Mio. Euro kosten soll. Die WSG gründet dafür eine Errichtungs- und Betreibergesellschaft, die alle Sanierungs- und Baumaßnahmen sowie den Betrieb der gesamten Sportanlage übernimmt. Die Gemeinde soll das Areal auf mindestens zehn Jahre an diese neue Gesellschaft verpachten.

Laut einem Subventionsvertrag — der nun aufzusetzen ist — steuert die Gemeinde für die erste Baustufe und die Sanierung des Kabinentrakts 2 Mio. Euro bei (zahlbar in zehn Jahresraten) und übernimmt für den laufenden Betrieb eine Abgangsdeckung von max. 200.000 Euro jährlich. Die restlichen ca. 3,6 Mio. Euro stellt die WSG auf die Beine — wobei alle Fördermöglichkeiten von Land und Bundesliga ausgeschöpft werden sollen.

Ziel der WSG ist eine „zeitnahe" Umsetzung, im Frühjahr 2020 will man „zumindest auf dem Kunstrasenplatz" schon das Training aufnehmen.

Die SPÖ-Fraktion nannte die Sanierung „längst überfällig" und stimmte dem Angebot zu. Das tat am Ende auch die FPÖ — von der aber recht kritische Töne kamen: GV Erich Steiner bemängelte besonders, dass man über das Konzept „sehr kurzfristig" informiert worden sei (was Oberbeirsteiner zurückwies) und noch diverse Fragen offen seien.

Mit der Vision eines bundesligatauglichen Stadions (einstweilen spielt die WSG ja im Tivoli) hatte die Sanierungsentscheidung nichts zu tun. Steiner betonte aber, dass er sich, sollte der Gemeinderat je darüber zu befinden haben, „mit allen demokratischen Mitteln" bis hin zu einer Volksbefragung dagegen einsetzen werde. Er schätze die Präsidentin sehr, im Wohngebiet sei ein solches Stadion für ihn aber undenkbar, auch wegen der prekären Verkehrs- und Parksituation.

Oberbeirsteiner beruhigte: „Wo in Zukunft Bundesliga gespielt wird, steht noch in den Sternen" und werde auf anderen Ebenen entschieden. Jedenfalls brauche die WSG allein schon für die Errichtung der Fußballfelder eine Baubewilligung und benötige als künftige Pächterin für jeden Neu- und Zubau die Zustimmung der Marktgemeinde. Jeder einzelne Schritt müsse von der Gemeinde gutgeheißen werden, „wir können also immer noch sagen, wenn uns dies oder jenes nicht gefällt — und da rede ich noch gar nicht von einem Stadionbau".

Der bestehende, zu kleine Kunstrasenplatz wird durch einen neuen ersetzt.
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- Domanig
Die 400-m-Tartanbahn muss den Plänen weichen, Leichtathletik soll aber weiter Platz finden.
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- Domanig