Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.07.2019


Müll-Problem

Straßendienst in Innsbruck appelliert an Eigenverantwortung der Bürger

Tausende Tonnen Müll landen jährlich nicht nur in den Müllkübeln, sondern auch daneben oder auf der Straße. Die Stadt setzt auf Bewusstseinsbildung statt auf Strafen.

Der Straßendienst betreut auch 380.000 Quadratmeter Gehsteigfläche, 1150 Mülleimer werden teils mehrmals täglich geleert.

© Foto TT/Rudy De MoorDer Straßendienst betreut auch 380.000 Quadratmeter Gehsteigfläche, 1150 Mülleimer werden teils mehrmals täglich geleert.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Auf dem Platz vor dem Innsbrucker Hauptbahnhof liegen leere Lebensmittelkartons auf dem Gehsteig, die Passanten auf dem Weg zum Bus oder Zug bahnen sich im Slalom einen Weg durch die Abfälle, die der starke Wind vor sich hertreibt. Der Föhn macht regelmäßig sichtbar, was sonst oft im Verborgenen in Ecken liegen bleibt. Niemand bückt sich, um etwas aufzuheben und zu entsorgen. „Die Leute denken sich, dafür gibt’s ja eh die Straßenkehrer“, sagt der für den städtischen Straßenbetrieb zuständige Amtsleiter Peter Hölzl.

Die Mitarbeiter sind zuständig für die Reinigung von insgesamt 340 Kilometern Straßen, 380.000 Quadratmetern Gehsteigfläche und von 12.000 Gullys, die regelmäßig ausgesputzt werden müssen, damit beim nächsten Gewitter das Wasser abfließen kann. Frühmorgens ab 3.30 Uhr sind die Ersten mit Kehr- und Spritzwägen unterwegs oder räumen überquellende Mülleimer aus, in ganz Innsbruck gibt es 1550 davon. 800.000-mal werden sie im Jahr entleert, manche bis zu viermal pro Tag.

Rund 2450 Tonnen Müll sind es pro Jahr, die händisch oder maschinell gesammelt werden müssen, dafür sind 60 Mitarbeiter zu Fuß mit Handwagen, Besen und Schaufel unterwegs. Die Menge der vielen weggeworfenen Zigarettenstummel, die sie regelmäßig entsorgen oder die in einen der Gullys geschwemmt werden, ist unbekannt, erwiesen ist aber, dass jede einzelne Kippe mit ihren vielen Toxinen rund 40 Liter Grundwasser verunreinigen kann. Die mit Sonnenkollektoren betriebenen Presscontainer am Bahnhof mussten entfernt werden, weil dort viele ihre Zigaretten ausgedrückt haben. „Leider haben wir auch immer wieder mit Vandalismus zu tun“, sagt Hölzl.

„Die Leute sind undisziplinierter geworden“, meint Straßenmeister-Stellvertreter Christian Braunhofer. „Früher war es noch eher so, dass es für manche selbstverständlich war, etwas von der Straße aufzuklauben. Heute schmeißen sie eher noch etwas dazu.“ Wie Kunststoff-Getränkeflaschen, Bierdosen, Pizzakartons oder andere Verpackungen, die einen Großteil der Abfälle ausmachen und manchmal auch direkt aus dem Auto auf die Straße fliegen.

Die für den Straßenbetrieb zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger, jeder sollte seine Verantwortung für eine saubere Stadt wahrnehmen. „Den Straßendienst-Mitarbeitern wird manchmal schon viel zugemutet, zum Beispiel beim Einsammeln von Hundekot.“ Sie spricht sich allerdings gegen Strafen aus, wie es sie in manchen Städten gibt: „Das würde bedeuten, den Leuten die Verantwortung abzunehmen und sie anderen zu übertragen.“ Schwarzl setzt stattdessen auf Bewusstseinsbildung, wie sie vor allem an Schulen geleistet wird. „Und Kinder sind innerhalb ihrer Familien starke Multiplikatoren.“

2450 Tonnen Müll müssen pro Jahr händisch oder maschinell gesammelt werden.
2450 Tonnen Müll müssen pro Jahr händisch oder maschinell gesammelt werden.
- Foto TT/Rudy De Moor
„Leider haben wir auch immer wieder mit Vandalismus zu tun.“
Peter Hölzl
(Amtsleiter Straßenbetrieb)
„Leider haben wir auch immer wieder mit Vandalismus zu tun.“ Peter Hölzl
(Amtsleiter Straßenbetrieb)
- Foto TT/Rudy De Moor