Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.07.2019


Exklusiv

Heli-Krieg in Osttirol heizt sich von Neuem auf

Dass Roy Knaus’ Notarzthubschrauber Martin 4 seit gestern auch im Sommer fliegt, sorgt für Ärger. Die Flugretter fordern vom Land die Neuausschreibung.

Knaus beteuert, dass er vom Land ersucht worden sei, das System in Osttirol aufgrund von Problemen mit der Notarztversorgung zu unterstützen.

© Brunner Images | Christian WaldeKnaus beteuert, dass er vom Land ersucht worden sei, das System in Osttirol aufgrund von Problemen mit der Notarztversorgung zu unterstützen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Matrei i. O. – „Leise, still und heimlich an allen Behörden vorbei.“ Auf diese Art und Weise sei mit gestrigem Tag der Notarzthubschrauber Martin 4 in Matrei in Osttirol in Betrieb genommen worden. Diese schweren Vorwürfe erhoben gestern die Flugrettungsbetreiber ÖAMTC, ARA, SHS, Schenk-Air, Wucher Helikopter und HAT in einer gemeinsamen Erklärung. Sie fordern nun Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (VP) auf, den Flugrettungsdienst „endlich auszuschreiben“: „Schade um die bis jetzt optimal funktionierende Lösung.“ Damit bezieht man sich auf die 2015 mit Tilg getroffene Vereinbarung, dass der Sommer mit acht, der Winter mit 15 Helikoptern zu versorgen sei, die TT berichtete. Wiederholt ignoriere nun ein Betreiber diese Zusagen. Die Forderung nach Konsequenzen wird laut: Entweder werde Martin 4 nicht mehr für Einsätze disponiert, andernfalls führe an der Ausschreibung kein Weg vorbei, sagt die Allianz der Flugrettungsbetreiber: „Dann muss sich das Land deklarieren, von wie vielen Standorten aus es die Flugrettung organisiert haben möchte.“

Martin 4 wird von der Heli Austria betrieben. Firmenchef Roy Knaus bestätigte gestern dessen sommerliche Inbetriebnahme. Zuletzt war dieser nur vom 15. Dezember bis 14. April im notärztlichen Einsatz. Er verweist auf ein Treffen u. a. mit Tilg und dem Matreier BM Andreas Köll am 4. Juni in Lienz. Dort sei er gebeten worden, „das System in Osttirol zu unterstützen, weil man Probleme mit der notärztlichen Versorgung hat“. Knaus mit seinem Pool an 120 Notärzten soll einspringen. Untertags mit dem Hubschrauber, des nächtens würden seine Ärzte mit dem Notarzteinsatzfahrzeug abgeholt. Vereinbart sei, dass sein Heli von Mitte Juni bis Mitte Oktober fliegen werde. Und zur Kritik der Konkurrenz meint Knaus: „Der C7 ist ohnedies zu zwei Dritteln in Kärnten unterwegs.“

Tilg verwies gestern auf die mit jedem Flugrettungsbetreiber abgeschlossenen Direktverrechnungsvereinbarungen. Diese würden keine Regelungen über Standorte beinhalten: „Das bestehende System hat sich bewährt.“