Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.07.2019


Bezirk Reutte

Streit um Grundstück in Lechaschau: Der neue Nachbar ist unerwünscht

Reuttes Autohändler Hans Schweiger schlägt nach einem Grunderwerb am Kuhbichl in Lechaschau von den Anwohnern kein herzliches Willkommen entgegen. Sie wollen verhindern, dass er dort zum Bauen kommt.

Ein pittoresker Flecken in Lechaschau. Autogroßhändler Schweiger will dort ein Privathaus errichten, die richtige Widmung fehlt allerdings.

© Mittermayr HelmutEin pittoresker Flecken in Lechaschau. Autogroßhändler Schweiger will dort ein Privathaus errichten, die richtige Widmung fehlt allerdings.



Von Helmut Mittermayr

Lechaschau – In Lechaschau gibt es einen ganz besonders idyllischen Flecken – den Kuhbichl. Obenauf thront ein Anwalt mit großem Anwesen und Ausblick. Auch ein Aussiedlerhof hat sich vor Jahren dort angesiedelt. Am Fuß des Naturjuwels möchte nun der bekannte Reuttener Autohändler Hans Schweiger seinen „Alterswohnsitz“ errichten, wie er es formulierte. Er hat dort gerade ein Grundstück erworben. Obwohl teils von Wohnhäusern umgeben, steht einer möglichen Schweiger-Villa noch ein entscheidendes Kriterium entgegen – die landwirtschaftliche Widmung des Grundstücks. Gegen eine Änderung genau dieser Widmung laufen die nur durch eine Straße getrennten Nachbarn, das Ärzteehepaar Karin und Michael Haß, nun Sturm. Sie wollen alles unternehmen, dass es erst gar nicht zu einer bewohnten Nachbarschaft kommt. Denn das Gebiet liegt laut aktuellem Lechaschauer Flächenwidmungsplan außerhalb der Baulandgrenze.

Vorgesprochen haben beide „Parteien“ schon bei Bürgermeister Hansjörg Fuchs. Die eine, um auszuloten, was in Sachen Umwidmung möglich wäre, die andere, um den Status quo in Stein gemeißelt zu wissen. Fuchs selbst zieht sich auf einen formalen Standpunkt zurück. „Ich weiß ja nicht einmal, ob Hans Schweiger das Grundstück überhaupt gekauft hat. Bisher gibt es kein offizielles Umwidmungsansuchen von ihm, also auch nichts, worüber ich eine Aussage tätigen könnte. Somit kann ich auch kein Gremium damit befassen. Denn zuständig für eine Umwidmung und Änderung des Flächenwidmungsplanes wäre selbstverständlich der Gemeinderat.“ Lechaschaus Gemeindechef verweist aber auf die gängige Praxis früherer Gemeinderatsentscheidungen – und da hätte Hans Schweiger nicht die besten Karten: „Wenn jemand außerhalb der Baulandgrenze bauen will, muss klares öffentliches Interesse vorliegen. Bei einer Erweiterung der Firma Multivac hat der Gemeinderat zum Beispiel dafür entschieden.“ Fuchs kann sich aber nicht erinnern, dass dies bei Privatinteresse je der Fall gewesen sei.

Karin und Michael Haß appellieren an den Gemeinderat, ernsthaft darüber nachzudenken, diesen landwirtschaftlichen Grund nicht umzuwidmen. Das wäre für sie der Auftakt für eine Welle von Widmungsansuchen in dieser einmaligen Natur- und Erholungsregion. Beide unisono: „Es kann nicht sein, dass einem Großunternehmer der Kauf von landwirtschaftlichem Grund aus privaten Gründen und letztlich dem Ansuchen auf Umwidmung in Bauland zugestimmt wird, nur weil er Mitsponsor des örtlichen Fußballclubs und der Lechaschau-Challenge ist.“ Das Raumordnungskonzept in Lechaschau gelte für alle Bürger gleich und besage, dass es bis 2025 keinen Grund gebe, Freiland umzuwidmen, da ausreichend Baugrund in der Gemeinde zur Verfügung stehe – betonen sie.

Der Reuttener Autohändler Hans Schweiger, Mäzen vieler Vereine im Ort und gebürtiger Lechaschauer, bezeichnet die Kampagne von Familie Haß als eine „einzige Frechheit. Was habe ich ihnen denn getan? Nichts. Mein Haus läge im Norden weit weg von ihrem. Sie würden gar nichts merken. Ich kann so eine Aktion nicht verstehen.“